Ein Aufschrei gegen Blutvergießen

- Tanz-Revolutionärin, auf Augenhöhe mit Strawinsky und Picasso, Mythenstifterin des modernen Tanztheaters - all das war die amerikanische Tanzschöpferin Martha Graham (1894-1991). In ihr brannte ein Feuer, das sie noch in ihren 70ern auf die Bühne trieb und bis kurz vor ihrem Tod zu neuen Stücken inspirierte. Die Martha Graham Dance Company, zum 80. Jubiläum auf Tour, wurde nun auch im Münchner Prinzregententheater bejubelt.

Jubel, unbedingt, für Grahams Meisterwerk "Chronicle" von 1936, ein Memento an die Gräuel des 1. Weltkrieges. Nur Frauen, ganz in Schwarz, in protest-starrender oder wild peitschender Gruppenbewegung. Ein einziger Aufschrei gegen Gewalt und Blutvergießen.

Danach "Embattled Garden" von 1958, in dem das Paradies als grimmiges Schlachtfeld der Leidenschaften gedeutet ist.

Zum Abschluss "Acts of Light" von 1981, eine Hymne auf das lebenspendende Licht. Höhepunkt darin immer noch: das als tänzerische Feier dargebotene (Boden-)Exercice, in dem sich wie unter dem Brennglas die einmalige Leistung der Graham offenbart: aus dem atemgetragenen Prinzip "Anspannung - Entspannung" heraus eine lehrbare Technik entwickelt zu haben, die zur Basis auch des europäischen Modern Dance wurde.

Geschmacksache die Musiken (Riegger, Surinach, Nielsen), Isamo Noguchis Nierentisch-Ästhetik und Halstons Wickelhöschen für die Herren. Und man hat die Company in den 80er- und 90er-Jahren weit brillanter, aufregender erlebt - vor allem in der Solisten-Riege.

Aber großen Respekt, dass sie den dreijährigen, nun beigelegten Rechtsstreit um das choreographische Erbe (immerhin 181 erhaltene Stücke) überhaupt überlebt hat.

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