Auftakt des Opernfestivals Gut Immling mit Verdis "Nabucco"

Chiemgau - "Oper ist eine unglaublich widersprüchliche, verrückte, nicht nachvollziehbare Kunstform, mit der normale Menschen überhaupt nichts anfangen können. Gott sei Dank gibt es seit 400 Jahren Verrückte, die in die Oper gehen."

In seiner Eröffnungsansprache zum Auftakt der zwölften Opernfestspiele auf Gut Immling im Chiemgau (in der Nähe von Bad Endorf) zitierte Intendant Ludwig Baumann Klaus Zehelein, den Chef der Bayerischen Theaterakademie August Everding, und bekannte, dass er sich mit dieser verrückten Kunstform sehr wohl fühlt. Das erhofft er zugleich auch von den 700 Premierengästen nicht nur für den Moment, sondern auch auf lange Sicht.

"Belcantozauber" heißt das diesjährige Motto des Opernfestivals Gut Immling, das mit Verdis "Nabucco" eröffnet wurde. Kunst darf nicht stehen bleiben, und so ist Ludwig Baumann bestrebt, neben der Qualitätssteigerung seiner Produktionen auch an der technischen Perfektion zu arbeiten. Im zwölften Jahr entwickelt sich die Reithalle mit ihren wunderbaren Stühlen und neuerdings dunkelblau ausgekleideten Seitenwänden zum noch komfortableren Opernhaus. Der Vergleich mit Glyndebourne drängt sich da so manchem der bisher rund 15 000 Besucher auf.

Für die Opernfestspiele auf dem grünen Hügel zwischen Bad Endorf und Halfing ist es eine gigantische Unternehmung, Verdis Groß-Oper zu inszenieren. Es geht darin um Größenwahn, Ohnmacht, Gottesfurcht, Verblendung und Freiheit. Regisseurin Nicola Panzer entschloss sich, die komplizierte Geschichte um den babylonischen Herrscher Nabucco als zeitlose, große Bewegungsoper auf der breiten Immlinger Bühne anzulegen, in der das Individuum angesichts der Massengesellschaft auf der Strecke bleibt. Der italienisch-polnische Bühnen- und Kostümbildner Gilberto Giardini schuf eine überdimensionale sandsteinfarbene Mauer, die die Bühnenrückwand dominiert. Sie steht für Macht, Gefangenschaft, Geltungssucht und Einsamkeit. Klare Farben bestimmen seine sowohl martialisch wie zeitlos wirkenden Kostüme in Rot, Gold, Grau und Schwarz, und bei den Protagonisten herrschen Latexmaterialien vor. Zu den weißen Baumwollgewändern der Hebräer mit blauen Korsagen ließ er sich offensichtlich von der israelischen Nationalflagge inspirieren.

Faszinierend ist die stimmliche und darstellerische Präsenz des internationalen Gesangsensembles, dessen Alterspanne von 25 bis 75 Jahre reicht: Anton Keremidtchiev singt mit dunklem, souveränem Bariton die Titelpartie. Flexibel und mit Leuchtkraft gibt Rafael Cavero den Ismael. Bezwingend war das sonore Timbre des Seniors unter den Sängern, Andrzej Saciuk als Zaccaria. Bertha Granados-Vazquez beeindruckte mit durchdringendem Sopran und dramatischem Ausdruck in der Extrempartie der machthungrigen Abigaille.

Der Festivalchor Gut Immling, unterstützt von Sängern aus der Tschechischen Republik, meisterte seine Hauptrolle mit Homogenität und Ausdruckskraft. Am Dirigentenpult führte Cornelia von Kerssenbrock die Münchner Symphoniker zu vitalem Verdi-Klang. Eine beeindruckende Ensembleleistung. Der Besuch der Oper im Grünen lohnt!

Nächste Aufführungen:

26.6., 4.6., 6.7. (s.u.), 13.7., Tel. 0180/ 504 66 54.

Sondervorstellung für Menschen mit Behinderung am 6. Juli, 15 Uhr. Karten hierfür sind zu zehn Euro unter Telefon 08036/ 77 85 oder hansloy@online.de erhältlich.

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