Das ist wie ein Auftrag

- "Man erkennt die Hölle als Paradies. Das ist das Allerschlimmste, da gibt es keinen Ausweg." Schon mit diesem Satz lässt Nicholas Ofczarek (35) erkennen: Das Stück, von dem er spricht, kann nur ein ganz modernes sein. Tatsächlich handelt es sich um "Höllenangst" von Johann Nestroy (1801-1862), geschrieben ein Jahr nach der gescheiterten Revolution von 1848. Es ist die erste Premiere der diesjährigen Salzburger Festspiele an diesem Sonntag (Koproduzent Burgtheater Wien), unmittelbar nach dem Alle-Jahre-Wieder-"Jedermann".

Somit setzt die klein gehaltene Sparte Schauspiel eine starke Ergänzung zu Mozart. Martin Kusej führt Regie, und Nicholas Ofczarek spielt den jungen Wendelin, jenen armen Hund, der sich aus Not dem Teufel überantwortet. Beziehungsweise dem Mann, den er dafür hält.

Nein, ein Dummkopf ist dieser Wendelin nicht, findet Ofczarek: "Er ist ein Tor, auch. Er ist naiv, auch. Er hätte auch die Kraft, ein Revolutionär zu sein, aber er erkennt nicht, dass er sie hat." Da kann einen schon die Höllenangst packen. Doch wessen Höllenangst ist das? Wendelins? Oder die des reichen Freiherrn von Stromberg?

Ofczarek: "Vor allem Wendelins natürlich. Aber Angst ist das Thema von jeder Figur, in unterschiedlicher Form. Wendelin beschreibt es so: Eigentlich, so wie die Welt aussieht, haben jene Menschen Geld, die Böses tun und demnach mit dem Teufel verbunden sind. Also, denkt Wendelin, sollte man sich auch auf diese Seite begeben. Folglich wird alles, was ihm im Stück nun positiv geschieht, nicht positiv gesehen, sondern als Teufelszeug. Somit ist dieser Mensch ganz und gar chancenlos."

Ist "Höllenangst" wie andere Nestroys dennoch auch ein Stück zum Lachen? "Es ist eine Posse mit großem politischen Gehalt. Auch ein großes Stück Philosophie. Eine Komödie und eine Tragödie. Die Kunst wird sein", so der Schauspieler, "das Ganze in die nötige Leichtigkeit zu kriegen".

Kusej hat der "Höllenangst" mit einer eigenen Fassung eine sanfte Kur verordnet: Nestroy ohne Couplets. Ofczarek: "Wie ich es jetzt sehe, wären sie in unserer Aufführung überflüssig. Sie fehlen mir überhaupt nicht." Zumal auf Musik ja nicht verzichtet wird. Nicht unerfahren in Sachen Nestroy - 2005 wurde Ofczarek mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet -, glaubt er nicht, dass es einen bestimmten Nestroy-Stil gäbe: Nestroy sei kein Heimatdichter, sondern ein deutscher Satiriker, zitiert er Karl Kraus. Und die Sprache, oberflächlich als Dialekt abgetan, "ist eine Kunstsprache, ähnlich wie bei Schiller eine Sprache auf dem Kothurn".

Man könnte es ja fast als Zufall bezeichnen, dass der gebürtige Wiener Nicholas Ofczarek heuer in Salzburg im Schauspiel auftritt. Würde er nicht viel lieber bei Mozart mitmischen, wo er doch in diesem Jahr schon an der Wiener Staatsoper debütiert hat - als Bassa Selim in der "Entführung aus dem Serail"?

"Gott, wie hätten die Zuschauer hier wohl reagiert? In Wien kamen die Reaktionen zum Teil mit einer solchen Vehemenz, die ich so noch nie gespürt hatte. Aber auch mit so einer Hingabe. Ein tolles Erlebnis." Für das Sängerkind Ofczarek auch "fast wie ein Heimkommen. Ich bin mit Operette und Musical aufgewachsen. Heute bereue ich ein bisschen, dass ich nicht Sänger geworden bin. Aber ich bin auch so ganz zufrieden.

"Was wir hier machen, ist Schauspielertheater."

Nicholas Ofczarek

Zwölf Jahre Burgtheater, gibt's noch eine Steigerung? "Daran darf man gar nicht denken. Man ruht sich ja da nicht aus. Burgtheater - das ist wie ein Auftrag. Schauspieler ist ja auch ein grausamer Beruf. Sagt dir einer, das war aber eine gute Arbeit, dann denkt man: Was, nur gut? Du willst geliebt werden als Schauspieler. Es ist eine Qual: Bei jeder neuen Inszenierung denke ich: Es kann doch nicht wahr sein, dass ich schon wieder keine Ahnung habe von diesem Beruf!"

Man wolle ja dem Publikum auch etwas bieten. "Der Fußball entwickelt sich weiter, das Theater darf sich auch weiterentwickeln." Und: "Ist ein Auto mit modernster Technologie ausgestattet, sagt man: Das kauf' ich mir. Heißt es von einer Inszenierung, sie sei modern, sagen die Leute: Da gehe ich nicht hin."

Ist "Höllenangst" eine "moderne" Inszenierung? Ofczarek: "Was wir hier machen, ist Schauspielertheater."

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