Auftritt des Todes

- Die unbändige Musizierfreude der Mitglieder des Münchener Kammerorchesters (MKO) lässt die Konzerte mit ihm immer wieder zum Erlebnis werden. Eindrucksvoll jetzt erneut im Prinzregententheater zu erleben mit der "Conte Fantastique" für Harfe und Streichquartett von André Caplet nach Edgar Allen Poes Erzählung "Die Maske des roten Todes" und dem ersten Cellokonzert von Dmitri Schostakowitsch. Nach der Pause folgten die "Melody in the Garden of Olives" für Trompete, zwei Streichquartette von Onuté Narbutaité und Wolfgang Amadeus Mozarts Symphonie Nr. 40 g-moll.

"Licht" ist das Saisonthema des MKO, und mit den Wechselwirkungen zwischen Hell und Dunkel, Leben und Tod hatten alle vier Werke des Abends zu tun. Eine Art Wiederbelebung erfuhr die "Conte Fantastique" in München. Allgemein stempelt man den Franzosen André Caplet als Debussy-Epigonen ab. Doch Muriel Cantoreggi, Mario Korunic, Kelvin Hawthorne und Bridget Mac\-Rae präsentierten hier gemeinsam mit der Harfenistin Sarah OBrien mit großer Innovationsfreude, artistischer Fingerfertigkeit und außergewöhnlicher Musikalität die vielfältigen Facetten, die dieses Kammermusikwerk enthält. Beim Auftritt des Todes liefen einem wirklich Schauer über den Rücken.

Eher zupackend als süßlich

An Virtuosität und Stringenz ließ es auch Heinrich Schiff im Es-Dur-Cellokonzert von Schostakowitsch nicht fehlen. Faszinierend gestaltete er beispielsweise die große expressive Cadenza, den dritten Satz. In "Melody in the Garden of Olives" der litauischen Komponistin Onuté Narbutaité beeindruckte der ruhige, langgezogene, melancholische Spannungsbogen, der schließlich vom Einfallen der Trompete durchbrochen wird. Mit Mozarts Symphonie, eher zupackend als süßlich von Heinrich Schiff dirigiert, ging dieses frenetisch gefeierte Konzert zu Ende.

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