"Augenblicke" des griechischen Fotografen Dimitri Soulas

München - München als Stadt der Revolution. München als Stadt der Gastarbeiter. München als Stadt der feinen Gesellschaft und der tiefen Abgründe. So, wie der gebürtige Grieche Dimitri Soulas seine Umwelt sieht und in entscheidenden "Augenblicken" konserviert, hat man sie selten gesehen.

Es sind Sozialreportagen und ganz persönliche Momente, es sind Sekunden, die Geschichten erzählen: Geschichten sowohl von "Opfern" wie auch von einem, der hinter der Kamera ein unglaubliches Gespür für die anderen, für die Brüche im Leben und die Aussagekraft der scheinbaren Zufälle entwickelt.

Die Hommage an den Fotoreporter im Münchner Stadtmuseum, der jetzt zwischen Griechenland und Garmisch pendelt, unterscheidet sich in einem Punkt von der großen Konkurrenz der Fotografie mitten aus und im Leben: Die Aufnahmen sind besser. Sie sind punktgenaue Landungen in Sachen Szenario, Konzentration und Aussage. Das gilt auch, bis auf wenige Ausnahmen, in Bezug auf die integrierte Sonderausstellung "Streetlife", die 50 Arbeiten berühmter Fotografen aus dem Archiv zeigt.

Startschuss für die fotografische Blitzkarriere des Griechen (Jahrgang 1938) war sein Besuch 1959 in einer Hamburger Fotoausstellung. Trotzdem absolvierte er sein Volkswirtschaftsstudium, bevor er als Fotoreporter begann. Vor allem für die tz, dann für den Stern, die Quick und die Neue Revue war er zwischen 1967 und '74 unterwegs. Was dort auf Zeitungsseiten mit kurzen Kommentaren versehen war, gewinnt nun in der Ausstellung frappierendes und überzeugendes Eigenleben.

Gastarbeiter und ausländische Bürger porträtiert Soulas in ihrer Fremdheit - Kinderwagen schiebend hinter der Großmarkthalle, schlafend am Hauptbahnhof, bettelnd in den Straßen. Einsame Einzelschicksale als Spiegel der Gesellschaft stehen den Aufnahmen der Studentenunruhen und der Hippie-Verbrüderung an Schwabings Straßenrand gegenüber. Eine ganze Serie Betrunkener, ohne Hass oder Ekel geschossen, stimmt nachdenklich. Genauso wie die aufgeschlagene Zeitung am üppig gefüllten Tisch des Presseballes mit der Schlagzeile "Das ist der Alltag von Biafra".

Dass ein Willy Brandt mit Hut vor der Oktoberfest-Musik den gleichen Skurilitäts-Wert haben wie etwa eine Exhibitionist im Hauptbahnhof, das wird beim Wandeln durch die 60er- und 70er-Jahre klar. Der zeitliche Abstand hilft dabei, das Kritische und Amüsante zugleich zu sehen. Dass Soulas, der 1974 zurück in eine freies Griechenland ging, sein Archiv dem Stadtmuseum überließ, darf als Schlussakkord einer Reihe von künstlerischen Glücksmomenten angesehen werden.

Bis 6. Juli,

Katalog: 39,90 Euro. Tel. 089/ 23 32 23 70.

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