Augenschmaus

- Ein Hoch auf die Kartoffel, auf "Cucumer", Pfirsich und Spargel! In mittelalterlichen Handschriften ausgesät, blühen sie im 15. bis 18. Jahrhundert in Kräuter- und Pflanzenbüchern, vorrangig noch zu wissenschaftlichen Zwecken. Feine, teils kolorierte Kupferstiche zeigen sie in all ihren botanischen Details, begleitet von seitenlangen Abhandlungen zu Art und Aussehen, Aufbewahrung, Zubereitung und Indikation, zu innerlicher und äußerlicher "Krafft und Würckung".

Drei der wichtigsten, pachtvollsten literarischen Pflanzenwerke wurden in Bayern gedruckt. Sie bilden den stolzen Kern der Ausstellung "Tulpen und Kartoffeln. Der Garten im Spiegel der Literatur aus fünf Jahrhunderten" im Foyer der Bibliothek des Deutschen Museums. Obschon von großer Schönheit auf den Bücherseiten, drücken sich die 43 Werke bescheiden in 13 Vitrinen.Doch wer sich ihnen nähert, wird reichlich belohnt: Aus Basilius Beslers "Hortus Eystettensis" strahlt eine riesige barocke Sonnenblume, gestochen aus Tausenden von winzigen Blüten. Ein wertvoller Geschenkfoliant für die prominenten Besucher des Eichstätter Residenzgartens - nicht länger nur ein informatives Apothekerbuch.Auch in Elisabeth Blackwells "Curious Herbal" von 1737 dienen die detaillierten Tafeln eher dem Augen- denn dem Gaumenschmaus. Weinmanns alphabetisch geordnete "Phytanthoza Iconographia" zeigt die ersten botanischen Farbdrucke; die Texte hingegen entstammen nurmehr Vorgängerwerken. Seiner Lieblingspflanze aber, der Tulpe - zur Zeit des Barock beliebte, vielgestaltige Mode- und Handelsblume - widmete Weinmann allein 16 seiner 1025 Tafeln.Von diesem bibliophilen Garten aus unternimmt die Ausstellung zwei filigrane Streifzüge: Der eine führt durch die geometrische Architektur barocker Prachtgärten; der andere nimmt teil an der Schöpfungsgeschichte des Hobbygärtners nach 1800. Ihn interessierte das "Kleine Ideenmagazin für Gartenliebhaber" und auch Knoops "Pomologia"; für ihn wurde "Der Wintergärtner" geschrieben und obendrein ein kleines Bändchen mit dem schönen Titel "Das Ganze der Ananaszucht".

Bis 31. Juli, tägl. 9-17 Uhr. Info: 089/ 2 17 91; www.deutsches-museum.de.

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