Eintritt frei

Mit Augenzwinkern

Galerien: Van de Velde erfindet Künstler, Dometshauser die Apokalypse, Melhus startet zum Mars

William Crowder (1913- 1979) ist seinen Weg gegangen: Er hat sich von der Malerei zur Bildhauerei vorgearbeitet. Er hat Europa besucht. Er hat in New York eine Frau getroffen und seine Bilder arrangiert, um ihr zu imponieren. Er hat diese Liebe in Jahren des Zusammenlebens verblassen lassen. Er ist berühmt geworden – aber glücklich? Er hat Ausstellungen eröffnet und Vorträge gehalten. Er ist früh aufgestanden, hat an sie gedacht, hat gearbeitet, gezweifelt und dann gedacht: „Was soll’s?“

Diesen William Crowder hat es nie gegeben. Er ist das genialische Hirngespinst und Alter Ego des jungen belgischen Künstlers Rinus van de Velde (geboren 1983 in Antwerpen), geschaffen nach dem realen Vorbild Alexander Calders. Van de Velde schöpft aus seinem wachsenden Bildarchiv, aus alten Fotos und Filmstills. Nach ihrer Vorlage schafft er comicstrip-artig kommentierte Kohlezeichnungen in unterschiedlichen Formaten, die, willkürlich und mit kleinen bildhauerischen Modellen arrangiert, Stationen aus dem Leben des fiktiven Künstlers nachzeichnen, während sie ein zwinkerndes Auge auf den Kunstbetrieb werfen. Ein spannendes und atmosphärisch reizvolles Projekt, mit dem der Künstler im Rahmen seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland in der Münchner Galerie Zink zu sehen ist (bis 21. Februar, Theresienstr. 122a/Rgb, Tel. 089/52 38 94 49, Eintritt frei).

 Schräg gegenüber auf der Theresienstraße widmet die Galerie Dina4 Projekte ihre beiden kleinen Räume einem noch jüngeren Münchner Akademiestudenten: Moritz Dometshauser (geboren 1985). Seine großformatigen Gemälde muten in ihrer szenischen Gleichzeitig- und dichten Kleinteiligkeit wie die moderne Form altmeisterlicher Apokalypsen an. Ihre Sujets sind grell, aktuell, politisch, doch stets mit einer großen Dosis Assoziationsfreiheit versehen. Cowboys und Maschinengewehre, flammende Ruinen, grüne Wiesen und brodelnde Untergründe gehen über in scheinbar religiöse und theatrale Szenen. „Kill the präzedenzfall“, überschreibt Dometshauser trotzig diese Schau, die wahrlich einem Versatzstück-Mosaik gleicht und doch die starke Handschrift eines jungen Künstlers trägt (bis 20. Februar, Theresienstraße 51, 089/ 52 38 90 40, Eintritt frei).

 Ein paar hundert Meter weiter östlich auf der Theresienstraße findet man – in einem Hinterhof, vis-a-vis des Eingangs zum Museum Brandhorst – die Galerie Andreas Grimm mit einem dritten ironisch pseudo-dokumentarischen Standpunkt: Bjørn Melhus’ „Mars Recovery“. Passend zu seiner kritischen Superhelden-Installation am Candidplatz (im Rahmen der Osram Art Projects) hinterfragt Melhus hier die ewige Vision von der Besiedlung des Planeten Mars in heute bereits antiquiert anmutenden Zeugnissen massenmedialer Vermittlung, geschmiedet vor allem in Hollywood: Eine Leuchtreklame preist den roten Planeten in vier roten Buchstaben an; das Astronautenhochglanzporträt eines Europäers, eines Amerikaners und einer „Russin“ parodiert die gemeinsame Weltenmission. Der romantische Traum steht unmittelbar neben dem gefunkten Ernstfallszenario, und eine Textprojektion fragt: „What’s your MARS strategy?“ So zerfällt die Notfallutopie der Welt bei Melhus in die Vermarktung einer vorgestrigen Zukunft (bis 28. Februar, Theresienstraße 56/ Rgb, Telefon 089/38 85 92 40, Eintritt frei).

von Teresa Grenzmann

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