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"Luxus und Dekadenz  - Römisches Leben am Golf von Neapel" heißt die Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung, die am 7. Februar startet. In ihr ist auch diese bemalte Venus-Statuette aus Pompeji, 1. Jh.v.Chr., zu sehen.

Ausblick auf 2009

Augen- und Ohrenschmaus

Wird das Kunst-Jahr 2009 hart getroffen von der Finanzkrise? Wie schlimm ist die Abhängigkeit von Sponsoren? Das sind die besorgten Fragen ans kommende Jahr. Aber es bietet auch sehr vieles, auf das wir uns freuen, auf das wir neugierig sein können.

Januar

Wer kennt schon Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1658-1716)? Durch diesen kunstnarrischen Wittelsbacher sind aber viele der schönsten und wertvollsten Gemälde von Rubens bis Raffael nach Bayern gekommen und glänzen heute in der Alten Pinakothek. Diese ehrt ihn ab 22. Januar mit einer Schau. Die Kulturhauptstadt Linz zeigt ab 2.1. Feinstes aus österreichischen Landen, schlicht "Best of Austria" genannt.

Fotostrecke: Ich freue mich auf 2009, weil...

Ich freue mich auf 2009, weil...

Von 22. Januar an wird sich zeigen, ob die Aufregung berechtigt war, dass der Scientologe Tom Cruise den Hitler-Attentäter Stauffenberg spielt: Dann startet "Operation Walküre" in den Kinos. Bereits eine Woche davor läuft "Zeiten des Aufruhrs" nach dem Roman von Richard Yates an: Elf Jahre nach "Titanic" stehen in diesem Film Kate Winslet und Leonardo DiCaprio wieder gemeinsam vor der Kamera.
Am 25.1. beginnen die Münchner Philharmoniker ihre "Zweit-Karriere" als Opernorchester: Im Festspielhaus Baden-Baden dirigiert Christian Thielemann den "Rosenkavalier" von Richard Strauss.

Februar

Bei den 59. Internationalen Filmfestspielen Berlin (5.2.-15.2.) geht der Ehrenbär für das Lebenswerk an den französischen Filmkomponisten und mehrfachen Oscar-Preisträger Maurice Jarre, der etwa für Werke wie "Lawrence von Arabien", "Doktor Schiwago" oder "Die Blechtrommel" komponierte. Am 22. Februar werden in Los Angeles zum 81. Mal die Oscars verliehen - durch den Abend führt der australische Schauspieler Hugh Jackman.

Einen Augenschmaus bietet die Archäologische Staatssammlung München ab 7. Februar mit der opulenten Ausstellung "Luxus und Dekadenz - Römisches Leben am Golf von Neapel". Weitere optische Höhepunkte bringen die Hypo-Kunsthalle und das Haus der Kunst: "Franz Hals und Haarlems Meister der Goldenen Zeit" (ab 13.2.) und "Gerhard Richter - Abstrakte Bilder" (ab 27.2.). Theatergenuss der verschmitztesten Art verspricht das Residenztheater: Kleists "Der zerbrochne Krug" mit Lambert Hamel als Richter Adam (Premiere 7.2.).
Udo Jürgens gibt sich am 21.2. in der Olympiahalle die Ehre - gefolgt von Tina Turner (ab 23.2.). Edita Gruberova, Primadonna assoluta unserer Zeit, feiert am 23.2. in der Bayerischen Staatsoper ihre mutmaßlich letzte Premiere mit Donizettis "Lucrezia Borgia".

März

Der Altbau des Münchner Lenbachhauses schließt. Es wird saniert und bekommt einen neuen Anbau hin zur Brienner Straße. Nach der Alten Pinakothek huldigt auch das Bayerische Nationalmuseum dem bayerischen Herrschergeschlecht: "Die Wittelsbacher und das Reich der Mitte. 400 Jahre China und Bayern" (ab 27.3). Und an diesem Abend hilft nur noch der Schwarzmarkt: AC/DC am 27.3. in der Olympiahalle ist längst ausverkauft, ein weiteres Konzert folgt am 15.5. im Olympiastadion. Ende März oder Anfang April kommt es im Staatsschauspiel zu einem theatralen Höhepunkt in der Bühnenmetropole München mit Botho Strauß’ neuem Stück "Leichtes Spiel", Untertitel "Neun Personen einer Frau". Hausherr Dieter Dorn inszeniert.

April

Luk Perceval wagt sich für die Münchner Kammerspiele an Kleists höchst schwieriges Liebesdrama "Das Käthchen von Heilbronn". Man darf gespannt sein, ob sich ausgerechnet dieser Regisseur der Kleist’schen Sprache gewachsen zeigt. Bob Dylan lockt seine Fans am 4.4. ins Zenith. Nachgebaut präsentiert sich "Tutanchamun - Sein Grab und seine Schätze" in der Münchner Event-Arena ab 9.4. Schön die Idee des Buchheim-Museums in Bernried, "Fränzi - Modell der Brücke-Maler" herauszustellen (ab Mitte April). Das Museum Villa Stuck feiert Honoré Daumiers 200. mit einem Panorama seiner Meistergrafiken (ab 23.4.).

Mai

Nach einiger Verzögerung wird endlich das Brandhorst-Museum, Türkenstraße, eröffnet. Metallica rocken am 6.5. in der Olympiahalle. In diesem Monat, so verrät die Theatervorschau, wird auch Christian Stückl etwas am Volkstheater inszenieren. Was, steht noch nicht fest - dafür der Premierentermin: 7. Mai. Das Fotomuseum des Münchner Stadtmuseums erzählt in der "Kunst des Akts" von Nackerten (ab 27.5.). Die Ballett-Festwoche beginnt am 3.5. mit der Premiere von "Zugvögel" im Nationaltheater. Immer steht das Bild im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, ab 20. Mai untersucht die Neue Pinakothek jedoch "Rahmen und ihre Geschichten". Am Ende des Monats startet das Lenbachhaus im Kunstbau eine Duo-Schau mit Monica Bonvicini und Tom Burr, wichtigen Künstlern der Gegenwart. Die Bayerische Landesausstellung findet heuer in Würzburg statt und beschäftigt sich mit "Wiederaufbau und Wirtschaftswunder" (ab 9. Mai).

Juni

Beim Filmfest München (26.6. bis 4.7.) können Filmfreunde mit Regisseuren und Schauspielern feiern und fachsimpeln. Das Festival ist für seine familiäre Atmosphäre bekannt. Zur Biennale nach Venedig werden Kunstfreunde und Touristen aus aller Welt ab 7. Juni strömen, immerhin sind dort fast alle Nationen auf ganz spezielle Weise vertreten. Aber auch in München geht es rund, zum Beispiel mit Thomas Schüttes "Mann im Matsch" im Haus der Kunst ab 7.6. Das Franz-Marc-Museum in Kochel widmet sich der Kunst des Blauen Reiters mit "Abstraktion und Urbild" (ab 14.6.). In der Pinakothek der Moderne wendet sich das Design-Museum wieder einem Automobil zu: "Mini - 50 Jahre Zukunft".

Juli

Die Münchner Opernfestspiele vertrauen bei der Eröffungspremiere auf den Mann mit dem Schwan: Wagners "Lohengrin" mit Star-Tenor Jonas Kaufmann hat am 5.7. Premiere. Anna Netrebko singt am 10.7. auf dem Münchner Königsplatz. Die Graphische Sammlung folgt in der Pinakothek der Moderne der Spur des Jugendstil-Könners Hermann Obrist und untersucht "Skulptur, Raum, Abstraktion um 1900" (ab 16.7.). Eigentlich hätte "Harry Potter und der Halbblutprinz" kurz vor Weihnachten 2008 starten sollten. Doch da in Hollywood die Drehbuchautoren gestreikt haben, musste der Starttermin auf 16. Juli verschoben werden. Zeitgleich starten am 25.7. die Bayreuther und Salzburger Festspiele. Bayreuth steht erstmals unter der Ägide der Halbschwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier. In Salzburg dürfte man Christof Loys Inszenierung von Händels "Theodora" (Premiere 25.7.) und Claus Guths Version von Mozarts "Così fan tutte" (30.7.) mit Spannung entgegensehen. Und auf dem Theater wird Jürgen Goschs Inszenierung der "Bakchen" für Diskussionen sorgen. Im Schlossmuseum Murnau heißt es ab 31.7. "Carl Spitzweg - Vor und hinter den Kulissen".

August

Bei den Salzburger Festspielen hat am 9. August eine Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen Premiere: Jossi Wieler inszeniert Samuel Becketts Monolog "Das letzte Band" zusammen mit "Bis dass der Tag euch scheidet oder Eine Frage des Lichts", ebenfalls ein Monolog, den Peter Handke auf das erste Werk bezieht. "Alfred Hrdlicka und die Religion" nennt sich eine Schau in Passaus "Museum Moderner Kunst - Wörlen", die die Leidenschaft des Atheisten für biblische Themen untersucht (ab 14.8.).

September

Ein Münchner Dauergast ist Peter Maffay, am 4.9. kommt er in den Circus Krone. Der neue Film von Michael "Bully" Herbig startet: "Wickie und die starken Männer" (9.9.). Eine China-Reise unternimmt das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne mit "Chinesische Architekturmodelle aus dem Nationalmuseum in Peking". Ebenfalls in der PDM: der junge Münchner Künstler Thomas Steffl, der sich mit der Romantik etwa eines Caspar David Friedrich auseinandersetzt. In diesem Monat feiert die Schack-Galerie ihr 100-jähriges Bestehen. Und die Hypo-Kunsthalle feiert ebenso: den wunderbaren Belle-Epoque-Künstler Alphonse Mucha (ab 25.9.).

Oktober

Das Haus der Kunst hat den chinesischen Künstler Ai Weiwei, der durch die documenta 2007 bekannt wurde, zu einer Ausstellung eingeladen (ab 9.10.). "Manege München" ist das große Thema des Stadtmuseums ab 31.10. Hier ist man zirkusverliebt, ob im 19. Jahrhundert, ob heutzutage. Lange hat man ihn nicht mehr in Bayern gesehen, den französischen Künstler Daniel Buren. Für das Neue Museum Nürnberg wird er neue Arbeiten zu einer auf den Ort bezogenen Einheit verbinden (ab 16.10.).

November

Das Fotomuseum (Stadtmuseum) blickt in private Alben: "Fremde im Visier - Foto-Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg" (ab 10.11.). Man beteiligt sich damit an einem Forschungsprojekt, das solche Aufnahmen als historische Quellen sichtet. Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg streicht mit einer großen Retrospektive einen arg in den Hintergrund gerückten Avantgarde-Maler heraus: Adolf Hölzel (ab 22.11.).

Dezember

Das Architekturmuseum greift in der PDM ein ungeheuer wichtiges Thema auf. "Wendepunkt im Bauen. Industrialisierung und Systembau" - die prägen bis ins Kleinste unser Leben.

Michael Schleicher/Simone Dattenberger/Markus Thiel

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