Ausgetrickster Papst

- Das Münchner Rundfunkorchester trotzt tapfer seiner bevorstehenden Auflösung: "Vorhang auf!" hieß es am Sonntag im Prinzregententheater zum ersten Mal in dieser Saison, und das Publikum kam wie stets neugierig auf das, was hier aus der Opernkiste gezaubert würde. Denn nach Kaffee und Kuchen schiebt man hier keineswegs Gängiges nach, sondern holt Rares ans Licht - zumindest konzertant. Diesmal war es die Kantate "Clori, Tirsi e Fileno", mit der der 22-jährige Georg Friedrich Händel sich 1707 in Rom empfohlen hatte. Zu einer Zeit, als Papst Innocenz XI. Opernaufführungen verboten hatte und die opernnärrischen Kardinäle und Fürsten mit konzertanten Mini-Opern, eben jenen Kantaten, die Feste in ihren Palästen krönten.

Rinaldo Alessandrini, viel dekorierter Meister der Alten-Musik-Szene in Italien, hatte das flexible Rundfunkorchester eingestimmt: auf einen am Originalklang orientierten vibratolosen Ton, auf einen plastischen, direkten, gestischen Klang. Mitgebracht aus seiner Heimat hatte er Monica Piccinini: Sie spielte als raffinierte Clori, die sich mit zartem, fein phrasiertem Engelssopran "tarnte", zwei Liebhaber gegeneinander aus: Tirsi und Fileno. Patricia Petibons Tirsi-Gesänge flammten wie ihr leuchtend rotes Haar. Und selbst wenn die herauskatapultierten Spitzentöne schrillten, steckten so viel Dramatik und Feuer in ihren kleinen Arien, dass Fileno - wenn auch nicht dramaturgisch, so doch gesanglich - keine Chance hatte. Als Rivale blieb Christopher Robson ziemlich blass. <BR><BR>Er hatte charmant in die kleine Oper eingeführt und das Publikum zum Bekenntnis für das bedrohte Orchester aufgerufen. Kurzfristig für den erkrankten Axel Köhler eingesprungen, sang er zunächst mit leichter und lockerer Stimme, die jedoch in der letzten Arie arg belegt wirkte. Der Händel-Kantate hatte Alessandrini eine weitere Rarität vorausgeschickt, eine kleine, direkt, aber nie derb musizierte Symphonie von Muzio Clementi, dem Klaviermeister. Das Publikum genoss die Raritäten und feierte die Interpreten. <BR><BR><P> </P>

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