Teufelskerl Pollersbeck: U21 steht nach Elfer-Krimi im EM-Finale

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Ausgezogen aus dem Weisheitstempel

Gärtnerplatz: - Neben "Hänsel und Gretel" bleibt Mozarts "Zauberflöte" wohl unangefochten die bevorzugte Einstiegsdroge, wenn es darum geht, den Nachwuchs an die Oper heranzuführen. Nicht nur, aber doch in erster Linie für ein jugendliches Publikum, brachte nun auch das Gärtnerplatztheater eine gekürzte Neufassung des Singspiels auf die Bühne, die man als "Entdeckung der Zauberflöte" betitelt hatte. Und die erste Entdeckung hält auch gleich der Besetzungszettel parat, denn unter dem gewohnten Personal der Oper fehlt hier die eine oder andere Figur. Dafür gibt es nun drei Schüler des benachbarten Pestalozzi-Gymnasiums, die genau wie ihre singenden Alter Egos vom Tölzer Knabenchor im Dienste Sarastros stehen und als Identifikationsfiguren für das Publikum immer wieder mit flotten Sprüchen ins Geschehen eingreifen.

Scheidungskrieg bei Sarastros

Bevor das Spiel jedoch beginnt, empfängt uns ein Prolog, in dem kurz die Vorgeschichte aufgerollt wird: Im Hause Sarastro tobt ein bitterer Scheidungskrieg. Um wenigstens die Liebe seiner von der Mutter gegen ihn aufgehetzten Tochter zurückzugewinnen, schmiedet der Vater einen kniffeligen Plan, bei dem als positiver Nebeneffekt auch gleich ein Schwiegersohn gefunden werden soll. Da trifft es sich gut, dass Sarastro nun nicht mehr in seinem Weisheitstempel wohnt, sondern in "so ein altes Theater am Ende der Welt" umgezogen ist, wo sich dank reichlich zur Schau gestelltem Bühnenzauber bestens ein Prüfungsritual für das Liebespaar Pamina und Tamino inszenieren lässt.

Die neue Dialogfassung von Kai Schubert müht sich dabei redlich, das Geschehen ins Heute zu holen und so die gespreizten Operndialoge verständlicher zu machen. Doch wird man das Gefühl nicht los, dass Schubert, ebenso wie Regisseur Frank Martin Widmaier, sein junges Publikum manchmal schon ein wenig unterschätzt und die eingeschlagenen Wege nicht konsequent genug verfolgt. Wirken manche Witze doch extrem naiv und zünden nicht einmal mehr bei den Kleinsten. "Wie bringt man denn Liebe zum Blühen?" ­ "Ich hol mal schnell die Gießkanne". Wohingegen der größte Lacher auf das Konto Schikaneders geht. Dann nämlich, wenn Papageno aufgrund seiner Flunkereien postwendend von der Erde verschlungen wird.

Überhaupt entwickelt sich der Vogelfänger immer mehr zum eigentlichen Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Denn als zusätzliches Zugpferd hatte man sich für diese Rolle Malte Arkona vom Tigerenten-Club ins Boot geholt, woran besonders die jüngeren Zuschauer ihre Freude hatten. Doch auch gesanglich schlug sich der hyperaktive Faxenmacher mehr als achtbar und konnte sich bestens neben den Opern-Kollegen behaupten, von denen vor allem Melanie Schneiders Papagena und Holger Ohlmann als Sarastro Sympathiepunkte sammelten.

Auch das junge Paar war mit Florian Hoffmann und Talia Or typgerecht, wenngleich etwas schmächtig besetzt. Doch wurden sie von David Stahl, der Mozarts Partitur auch in der komprimierten Fassung zu ihrem Recht kommen ließ, kaum je in ernste Bedrängnis gebracht.

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