"AußenAnsichten": Verzauberung aus Gold und Edelsteinen

- Ein Beutelbuch, stets zur Hand, am Gürtel befestigt, begleitete einst die Mönche auf Wanderschaft. Die Vorgabe des stündlichen Gebets hatte im 14. Jahrhundert zu der Mischform aus Ledertasche und Buch geführt. Auch andere Bücher waren früher praktische Wanderbegleiter: Eingehüllt in Pergament, zählten sie zum Leichtgewichts-Gepäck. Manche selbstgeschriebene Variante zwischen soliden Holzdeckeln diente bei Übergabe ans Kloster dann noch in späten Jahren als Altersvorsorge.

Ein Beutelbuch, stets zur Hand, am Gürtel befestigt, begleitete einst die Mönche auf Wanderschaft. Die Vorgabe des stündlichen Gebets hatte im 14. Jahrhundert zu der praktischen Mischform aus Ledertasche und Buch geführt. Auch andere Bücher waren früher praktische Wanderbegleiter: Eingehüllt in Pergament, zählten sie zum Leichtgewichts-Gepäck.

Manche selbstgeschriebene Variante zwischen soliden Holzdeckeln diente bei Übergabe ans Kloster dann noch in späten Jahren als Altersvorsorge. Der praktische Wert des Buches ist unverkennbar - und bis heute nicht zu schlagen. Aber es gibt auch noch eine andere, ästhetischere und mittlerweile arg vernachlässigte Seite des Buches: "AußenAnsichten", wundervoll geschmiedete, gestickte, emaillierte, geprägte Einbände, die Kunst, sozialen Status, religiösen Anspruch und außerdem die Moden der Zeit veranschaulichen. Die Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek München umfasst die Zweckausgaben, die fürstlichen Aufträge und die bürgerlichen Ambitionen, die fulminanten Prachtbände und die späten Künstlereditionen.

Klar wird dabei vor allem: Der Buchdeckel war früher Ausdruck von materiellem und geistigem Wert. Nicht zuletzt war es eine finanzielle Frage, die im München des 16. Jahrhunderts dann eine ganze Handwerker-Zunft nährte.

Dreistelligen Millionenwert hat heute jene Verzauberung aus Gold, Edelsteinen, Perlen und Emaille, die einem Reliquienkasten gleich seit dem 11. Jahrhundert den Uta-Codex umhüllt. Daneben nimmt sich das älteste Stück der Sammlung wie eine graue Maus aus: Ein Bildstempeleinband aus Wildleder, der seit dem frühen 11. Jahrhundert unverändert geblieben ist. Ähnlich selten ist das Kettenbuch aus Regensburg (um 1480), das seinerzeit am Lesepult gesichert war und in seiner Schlichtheit ein gutes Beispiel für Gebrauchsliteratur aus klösterlichen Buchwerkstätten ist.

Erst im späten Mittelalter entdeckte das aufstrebende Bürgertum die Bücher für sich, spätestens seit Erfindung des Buchdrucks 1452 gab es auch weltliche Buchbindereien, die die Loseblattsammlungen in Form brachten. Sparvarianten mit Holzschnitt-Deckel, aber auch Kalbsledereinbände für wissenschaftliche Vordenker wie Hartmann Schedel gehören dazu. Dem gegenüber standen die Werke der Hofbuchbinder: Ein Renaissance-Einband (1574) zeigt das Konterfei Herzog Albrechts V., der für seine Buchsammlung ein Vermögen ausgab und sich damit profilierte. Repräsentationsbände mit Wappen galten später, vom 17. bis 19. Jahrhundert, als aufmerksames Gastgeschenk für die bayerischen Herrscher. In Seide, mit Gold durchwirkt, ist so auch die Allianz von Bayern mit Napoleons Frankreich verbildlicht.

Bis 15. Dezember, Tel. 089/28 63 82 115. Katalog: 18 Euro.

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