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„Adam und Eva“: Peter Paul Rubens kopierte das Werk von Tizian in der Komposition genau.

Ausstellung

Alte Pinakothek: Rubens im Dialog mit Kollegen

München - Ja, doch, hier geht es um eine Rubens-Ausstellung. Und das nebenstehende Bild, „Adam und Eva“, ist nicht von Tizian. Es stammt tatsächlich von Peter Paul Rubens (1577-1640).

Der hat sich 1628/29 daran gemacht hatte, den großen italienischen Kollegen (um 1485/90-1576) zu kopieren.

Der hatte seinen Sündenfall 1550 gemalt. Beide großformatigen Werke kamen neben anderen Leihgaben in Münchens Alte Pinakothek, also ins Rubens-Mekka. Bei der Schau „Rubens im Wettstreit mit Alten Meistern“, die in die ständig zu sehende Rubens-Sammlung eingebettet ist, fand Kuratorin Mirjam Neumeister auf Anregung des im Frühjahr ausgeschiedenen Generaldirektors Reinhold Baumstark, die Gelegenheit zu einem neuen Blick auf das Antwerpener Genie.

Dass es als Anfänger fleißig kopiert hatte, um zu lernen, ist klar, aber dass es auch später als absoluter Maler-Star seiner Zeit noch regelmäßig Trainingseinheiten durchzog, ist wohl den meisten unbekannt. Rubens setzte sich einerseits mit seinen Landsleuten wie Quentin Massys auseinander, andererseits mit Italienern. Nachdem er 1628 als Diplomat für Spanien angefordert worden war, konnte er dort in Tizians schwelgen. In kürzester Zeit vertiefte er sich mit Pinsel und Palette in den Stil des Kollegen, analysierte ihn dadurch und zog daraus für sich selbst Konsequenzen. Etwa was Tizians recht lockere Maltechnik angeht.

Nur einige Werke kann man in der Alten Pinakothek im Vergleich anschauen – die Finanzierung war ohnehin eine Kunststück für sich. Das ist dann ein Augen-Abenteuer. Es ist schon witzig zu sehen, wie lieblos Tizian seinen Adam gemalt hat, während Rubens einen muskulösen Kerl zeigt – der jedoch genauso bei Eva, Apfel und Schlange (die bezeichnenderweise außer dem Schwanz wie ein Amor ausschaut) schwach wird. Das was Tizian argumentativ anlegt, setzt Rubens energischer und lustvoller um.

Überhaupt bricht er konsequent die etwas steife Noblesse der Renaissancefiguren auf. Sicher, Tizians „Dame in Weiß“ ist entzückend, aber Rubens’ „Mädchen mit Fächer“ ist entzückend – und hat es faustdick hinter den Ohren. Auch „Paracelsus“ oder der „Prinz von Tunis“ scheinen vor Lebenskraft gleich aus dem Rahmen zu springen.

Simone Dattenberger

Bis 7. Februar,

Tel. 089/23 80 52 16,
Katalog, Hatje Cantz: 27,90 Euro,
Eintritt: 13 Euro.

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