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Claude Lorrain: „Landschaft mit Gebäuden und Ruinen“, 1640/45.

Ausstellung: Die Aura der Ewigen Stadt lockt

München - Kunst in Rom – da denkt jeder an Opulenz. Und so ist auch die Schau der Staatlichen Graphischen Sammlung „Zeichner in Rom 1550 bis 1700“ in der Pinakothek der Moderne zu einem üppigen Panorama geworden.

So richtig aus dem Vollen schöpfen konnte Kurt Zeitler, Kurator der Präsentation „Zeichner in Rom 1550 bis 1700“. Denn der Gründungsvater der Graphischen Sammlung Kurfürst Carl Theodor hatte einst das Glück, die Hinterlassenschaft eines namhaften römischen Sammlers erwerben zu können. Und wir haben das Glück, eine luxuriös bestückte Schau mit 150 Blättern genießen zu dürfen, Arbeiten im Übrigen, die zum Teil noch nie gezeigt wurden. Natürlich marschieren auch die berühmten Namen wie Annibale Carracci oder Gian Lorenzo Bernini, wie Claude Lorrain und Guido Reni auf.

Am Eingang erklärt eine Landkarte, dass es sich bei den meisten durchaus nicht um in Rom gebürtige Künstler handelt, sondern dass die Ewige Stadt in dieser Zeit tatsächlich wieder eine besondere Aura und Anziehungskraft hatte. Man kam aus Venedig und Bologna oder Florenz, aber auch von jenseits der Alpen, ob aus Deutschland oder Frankreich. Rom hatte sich damals einerseits gegen das Osmanische Reich beziehungsweise den Islam behauptet, und andererseits entwickelte die katholische Kirche im Konzil von Trient (1545 bis 1563) gegen die Protestanten neue Kräfte. Die Lust am Bild, am Bildhaften war dabei der schönste und vielleicht wirkungsvollste Aspekt. Für die Künstler jedenfalls bedeutete es ein „gmahts Wieserl“, was Aufträge und Anregungen anging. Man ließ sich befruchten: gegenseitig, von der Antike und dem urbanen Flair.

Einer der Fixsterne hieß Raffael. Deswegen verweist Zeitler gleich zu Beginn im Foyer-Gang der Ausstellung auf ein Werk aus dem Umkreis von Federico Zuccari, das dessen Bruder Taddeo zeigt (um 1590). Der sitzt bei Mondschein in einer Loggia – im Hintergrund ein holder Garten – und zeichnet mit Hingebung, ja Andacht, während ein junger Kollege selig weggeschlummert ist. Die Ruhe der Hochrenaissance wurde von solchen Künstlern wieder aufgegriffen; man wandte sich von der Super-Raffinesse des Manierismus ab. Das hieß außerdem: genaues Beobachten der Wirklichkeit und Anerkennen von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch mit dem gewagten Licht-und-Schattenspiel eines Caravaggio setzte man sich auseinander. Trotz Realitätsnähe, darauf legt Zeitler, der Experte für italienische Zeichnung und Druckgrafik, Wert, werde jedes Motiv auf eine spezielle Weise überhöht. Besonders anrührend ist das bei der Rötelzeichnung aus dem Carracci-Kreis (um 1600). Ein Bub schreibt eifrig fast mit der Nase, lernt noch. Lesbar ist „...incipio...“ und erinnert an „In principio...“/ „Am Anfang war das Wort...“ (Johannes-Evangelium). Wort und Lernen vereinen Gläubigkeit und die Emanzipation von der Unmündigkeit – nicht nur für Gebildete.

Im zweiten Teil der chronologisch gehängten Schau wird Rom architektonisch lebendig und damit die große Inszenierung. „Hier wurden illusionistische Apparate angeworfen“, sagt Zeitler, ob es sich nun um Studien und Vorarbeiten zu Berninis Vier-Ströme-Brunnen handelt oder um verzwickte Dekorationen für die Decke des Palazzo Barberini. Aber auch diese „Überwirklichkeit“ sei stets in profundem Wissen verankert, kommentiert Kurt Zeitler. Ähnliches gilt für den Saal, der vor allem den Landschaften und Rombildern gewidmet ist. Phänomenal sind Claude Lorrains lavierte Blätter, die, obwohl nur in Braun und Schwarzgrau, durch ihre stupenden Nuancen vielfarbig wirken. Am Ende der Schau zeigt noch einmal Carlo Maratta, was ein Römer kann – orientiert sich aber schon nach Paris, der kommenden Kunst-Metropole.

Simone Dattenberger

Bis 13. Mai, Tel. 089/ 23 80 53 60; Katalog, Deutscher Kunstverlag: 36 Euro.

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