Ausstellung in der Villa Stuck

Elementarteilchen

Die Villa Stuck zeigt Plastiken, Bilder und Installationen des Münchners Martin Dessecker

Das "Polsterrudel" tut nichts, will nur spielen. In der Tat sind die rundlichen Kissenobjekte, die vor der Wand zu schweben scheinen, lustig bunt und gar nicht bissig. Vom Untergeschoss-Saal durchs Treppenhaus bis unters Dach durfte sich der Münchner Künstler Martin Dessecker in der Villa Stuck ausbreiten.

Die Ausstellung "Selbst in Stücken" spielt natürlich vor allem mit dem Raum, in dem ständiges Auf- und-Ab, Hin-und-Her herrschen; obendrein ist dieser Stufenschacht die Gelenkstelle zwischen Villa und Ateliertrakt. Aber auch das Gesamtwerk des 50-jährigen Dessecker streift die Schau, sodass die Besucher einen guten Überblick gewinnen können.

Teilchen mag der Künstler. Sie rieseln und wieseln jetzt über die Mauern des Treppenhauses, jonglieren mit Comics, Maschinen- oder Biologie-Darstellungen, mit gegenständlicher und abstrakter Malerei. Hinter jeder der vielen Ecken wispert eine neue Geschichte von ihren Geheimnissen: Ein Antlitz, säuberlich in Stücke geschnitten, ist irgendwie wieder zusammengesetzt - samt einem gespannten Treibriemen. Eine Art Superman röntgt mit seinem Blick den Boden, während sich eine Wurst-Kette vorbeischlängelt.

Spielwitz, genüssliches Herumprobieren, gedankliches Hakenschlagen zeichnen also diese Stückeleien aus, die als Fragmente zu immer neuen, lockeren Einheiten gefügt werden. Viele Aquarelle zeigen, wie intensiv sich Dessecker die ästhetischen Elementarteilchen erwirbt und sich dabei zu Varianten durcharbeitet - bis hin zum Film. Der verquickt unterhaltsam das handwerkliche Tun mit dem optischen Ergebnis, das mal als animierter Comic losspaziert, mal in Farbschlieren vor sich hinschwärmt.

In der Galerie 6, Tiefgeschoss, sind große Arbeiten aus der Zeit von 1998 bis heute zu bestaunen. Farbig gefasste Mollusken, Amöben oder Bakterien, die schwarzen Polster-"Knochen" und zauberhaft filigrane Pingpong-Installationen. Die Bällchen leuchten sanft, die Drähte spinnen die Wand ein, die zur Bildfläche wird, greifen die Linien der Zeichnungen auf und vereinigen sich zum "Traum vom großen Plan".

Bis 19. April,
Tel. 089/ 45 55 510, Katalog: 29,90 Euro.

www.villastuck.de

Simone Dattenberger

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