Mit ihrem Schriftstellerfreund Oskar Pastior in der Ukraine – der Dichter war von 1945 bis 1949 in dortigen Arbeitslagern inhaftiert.

Ausstellung für Herta Müller: Beklemmendes aus der Heimat

München - Das Münchner Literaturhaus holt eine ganz große in die Landeshauptstadt. Nobelpreisträgerin Herta Müller wird eine faszinierende Ausstellung gewidmet.

Mit dem Begriff Heimat kann Herta Müller nicht viel anfangen. „Es gibt nichts Fremderes als eine Heimat, wo man seines Lebens nicht mehr sicher sein kann“, meinte die aus dem Banat stammende Autorin, die in Rumänien einst vom Geheimdienst bedroht wurde und 1987 nach Deutschland ausreiste.

Die aktuelle Literatur-Nobelpreisträgerin war jetzt extra ins Münchner Literaturhaus gekommen, das ihr unter dem Titel „Der kalte Schmuck des Lebens“ eine faszinierende Ausstellung widmet. „Ich bin froh, dass es da nicht nur um mich geht, sondern um den ganzen rumäniendeutschen Hintergrund“, erklärte sie bei der Pressepräsentation. Und tatsächlich gelingt es der dämmrig gehaltenen Schau mit ihrer labyrinthischen Architektur, die beklemmende Stimmung spürbar zu machen, die Herta Müllers frühe Jahre geprägt haben muss.

  Auf dem Weg in den gelobten Westen: Herta Müller und ihr damaliger Mann, der Schriftsteller Richard Wagner, im März 1987 im Nürnberger Durchgangslager.

Wer sich zwischen den gekrümmten Video-Leinwänden durchschlängelt, über die Filmaufnahmen der Autorin flimmern, sieht in blaugrauen Holzvitrinen Dokumente aus einer anderen Welt: Fotos verhärmter Kopftuchbäuerinnen aus Nitzkydorf im Banat, wo die kleine Herta aufwuchs. Bilder der Gymnasiastin im kurzen Rock oder der jungen Autorin vor dem Plattenbau in Temesvar, wo sie wohnte und von der Securitate bespitzelt wurde. Die 900 Blätter der Geheimdienstakte über Herta Müller, die sie inzwischen ausgehändigt bekam, hängen in Kopie auf einem dünnen Faden über den Köpfen der Ausstellungsbesucher. Allerdings geriet die Autorin nicht nur ins Visier des rumänischen Repressionssystems: Auch von der Banater Landsmannschaft in Deutschland wurde sie als Nestbeschmutzerin und „Urinprosa“-Autorin angegriffen, nachdem 1984 im Westen ihr Buch „Niederungen“ erschien, das unter anderem die verdrängte Nazi-Verstrickung der Rumäniendeutschen zum Thema macht.

Neben Briefen, Büchern, Manuskripten zeigt die Ausstellung zum Abschluss aber noch ein wohltuend heiteres, kaum bekanntes Segment aus dem Werk Herta Müllers: die postkartengroßen Collagen, in denen Wörter, die sie aus Zeitungen ausschneidet, zu gereimten Nonsens-Texten zusammengeklebt werden. Zu rätselhaften Mitteilungen wie der, dass „das gelbe Glück ein enormes Einzelstück“ ist. Eigentlich, meinte die Autorin, mache sie „lieber Collagen, als lange Texte zu schreiben; mit langen Texten hat man so viel Arbeit“. Und wer wollte dieser Einsicht einer leibhaftigen Nobelpreisträgerin widersprechen...

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