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Kunst auspacken: Mitarbeiter der Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) richten alles her für ihre großes Ausstellung im Ägyptischen Museum. 

Ausstellung im Ägyptischen Museum

Die Kunst soll wieder groß rauskommen

„1868 von Ludwig II. königlich privilegiert“ ist die Münchner Künstlergenossenschaft (MKG). Früher eine mächtige Vereinigung, hat sie über die Jahre an Bedeutung verloren. Auch weil ihr Steckenpferd, die gegenständliche Kunst, nicht mehr so gefragt ist. Doch man will wieder mehr junge Künstler anwerben.

München - Wohl jeder Münchner kennt den Fischbrunnen am Marienplatz. Nur wer ihn geschaffen hat, das wissen die wenigsten. Konrad Knoll hieß der Bildhauer, der die Figuren formte. Er war einst Vorsitzender der Münchner Künstlergenossenschaft (MKG). Wie Knoll ist auch diese einst große Münchner Vereinigung über die Jahre in Vergessenheit geraten.

Dabei vereinigte sie früher viele berühmte Namen unter einem Dach: Franz von Lenbach, Carl Spitzweg, Max von Liebermann. Sie hatten gemeinsame Ausstellungen im damals weltbekannten Glaspalast nahe dem Stachus, der 1931 abbrannte. Die MKG war wohlhabend und mächtig, aber nur bis Ende der 30er-Jahre. Schuld daran trägt das Nazi-Regime, meint MKG-Präsident Nikos W. Dettmer. Nicht nur, dass die Genossenschaft 1939 enteignet und aufgelöst wurde. Dettmer sagt: „Hitler hat die gegenständliche Kunst in Verruf gebracht, weil er sie für seine Macht missbrauchte. Das wirkt bis heute nach.“

Heute sei abstrakte Kunst in Deutschland deutlich gefragter, sagt Dettmer. „Viele junge deutsche Künstler setzen auf Abstraktion. Oft beherrschen sie das Handwerk nicht mehr. Das ist uns aber sehr wichtig. Wer bei uns ausstellen möchte, muss insbesondere handwerklich talentiert und gut ausgebildet sein.“ Mehr als 100 solcher Künstler zeigen ab heute im Ägyptischen Museum ihre Werke.

Die MKG war die erste Vereinigung freischaffender Künstler in Bayern. Ihre Geschichte führt zurück bis ins Jahr 1854. Den Zusatz „1868 von Ludwig II. königlich privilegiert“ nutzen die Verantwortlichen gerne – ein historisches Alleinstellungsmerkmal. Nach der Neugründung 1948 stellte die Vereinigung im Haus der Kunst aus. Heute ist alles eine Nummer kleiner. Die Künstler der MKG sind derzeit im Souterrain des Ägyptischen Museums beheimatet, wenn sie einmal im Jahr ihre Vernissage einläuten.

Seit etwa drei Jahren steht Dettmer an der Spitze der Genossenschaft. Er ist Maler und Bildhauer. Dettmer übergibt sein Amt bald an den designierten neuen Präsidenten Paul Martin Cambeis (51), einen Absolventen der Münchner Kunstakademie. Cambeis teilt Dettmers Ansicht, was dessen Theorie um abstrakte Kunst, Hitler und die momentane Lage des deutschen Kunst-Mainstreams angeht. „Wir, die MKG, füllen in Deutschland das Vakuum der gegenständlichen Kunst“, sagt er.

Cambeis ist Comic-Zeichner. Auch Comics zählen als gegenständliche Kunst. „Ich habe mich früher nicht getraut, mich an der Münchner Kunstakademie zu bewerben“, sagt Cambeis. Er habe das Gefühl gehabt, chancenlos zu sein, wusste aber, dass er mal als Künstler leben wird, „egal ob als Musiker oder Maler“. Das Schicksal jedoch lenkte ihn trotzdem zur Akademie – während Cambeis als Taxifahrer jobbte.

Damals, 1989, stieg um zwei Uhr nachts ein Kunstprofessor ein: Robin Page, bekannt geworden als „Professor Bluebeard“. Cambeis kann sich noch genau erinnern: „Er hatte eine Tüte voller Bierflaschen dabei und bemerkte, dass ich ein Buch mit meinen Skizzen in der Hand hielt. Page wollte sie unbedingt sehen und sagte danach, ich solle mich unbedingt bewerben.“

Heute hat Cambeis eine Vision, wie er die MKG auffrischen und in der Öffentlichkeit wieder präsenter machen möchte, falls er – wie erwartet – in der nächsten Versammlung der Genossenschaft zum neuen Präsidenten gewählt wird. „Die MKG ist durchschnittlich ein wenig überaltert. Wir sollten häufiger und mehr junge Künstler anwerben“, sagt er. Vielleicht wird auch Cambeis mal zu einer schicksalhaften Begegnung für einen jungen Künstler, wie es einst Bluebeard für ihn war.

Schon bei der aktuellen Ausstellung wird eine Verjüngung zu spüren sein. „Wir stellen die Werke von zwei Studenten der Kunstakademie aus. Einer von ihnen ist Andrej Auch, ein begnadeter Künstler“, schwärmt Cambeis. „Bei ihm merkt man sofort, dass er sein Handwerk beherrscht.“ Auchs ausgestelltes Werk heißt: „Irdische Beschränkung“.

Die Ausstellung 2017 ist bis 26. März im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst, Gabelsbergerstraße 35, zu sehen. Täglich (außer Montag) von 10 bis 18 Uhr.

Von Hüseyin Ince

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