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Ein Chanukka-Leuchter aus Bierflaschen.

Neue Ausstellung im Jüdischen Museum

Biergeschichten – von Babylon bis Bayern

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München - Ein Chanukka-Leuchter aus Bierflaschen und Hopfensäcke mit SS-Aufdruck: Das Jüdische Museum München geht in seiner neuen Ausstellung jüdischen Braugeschichten nach.

Ende der Vierzigerjahre. Der angesehene Brauerei-Direktor Hermann Schülein, 1884 in München geboren, 1935 aufgrund seiner jüdischen Wurzeln in die USA emigriert, reist wieder in die Heimat. Es ist eine Zeit, in der die Flugzeuge noch Zwischenstopps zum Tanken einlegen müssen. Schülein landet kurzzeitig in Frankfurt, und eine Stewardess bittet ihn, den Flieger zu verlassen, der währenddessen gereinigt wird. Mit bebender Stimme entgegnet Schülein ihr: „Ich bin Jude und werde nie wieder deutschen Boden betreten!“ Peinlich berührt zieht sich die Stewardess zurück. Wenige Stunden später landet der Flieger in München – wo Schülein vergnügt ins Freie tritt. Er hatte in Frankfurt schlichtweg keine Lust gehabt, seinen Platz zu verlassen.

Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums München, könnte eine Anekdote nach der anderen erzählen über diesen Hermann Schülein und seinen speziellen Humor. Das Museum hat der Geschichte des Brauereidirektors und seines Vaters Joseph Schülein – der in München-Haidhausen das Unions-Bräu gründete, das später mit Löwenbräu fusionierte – einen großen Teil seiner neuen Ausstellung gewidmet: „Bier ist der Wein dieses Landes – Jüdische Braugeschichten.“

Ach nein, nicht noch eine Bier-Ausstellung zum Jubiläum von 500 Jahren Reinheitsgebot, mag mancher denken. Dabei ist die Schau weitaus interessanter, als Ausstellungsplakat und -katalog – mit nichtssagenden Bildern von Bierbehältnissen bedruckt – vermuten lassen. Vor allem ist sie angenehm reduziert und übersichtlich gestaltet.

„Bier ist der Wein dieses Landes“: Der Titel passt gut zum Bierland Bayern, stammt aber aus – Babylon. Im babylonischen Exil, um 600 v. Chr., war ein reisender Rabbiner am jüdischen Ruhetag Sabbat bei einer Familie eingeladen. Die Leute reichten ihm ein Gefäß mit Gewürzen, Kerzen und Bier. Doch der Geistliche wollte keinen Segen über das Gebräu sprechen und verlangte nach Wein. Die Familie klagte, der sei in der Gegend so schlecht zu bekommen. Also gab sich der Rabbiner geschlagen: „Wenn Bier der Wein dieses Landes ist...“

Die Marketingabteilung hat den Schalk im Nacken

Abgedruckt ist diese Geschichte in der weltweit einzig erhaltenen mittelalterlichen Talmud-Handschrift – die entsprechende Seite liegt aufgeschlagen in einem Glaskasten zu Beginn der Ausstellung. Gleich daneben: neun aufgereihte Bierflaschen. Klingt noch nicht besonders? Die Anordnung macht’s: Die mittlere Flasche steht erhöht auf einer Schachtel, vier Flaschen links, vier Flaschen rechts, auf den Kronkorken schmale Kerzen – voilà, fertig ist der Chanukka-Leuchter! Von einem US-amerikanischen Bierhersteller im vergangenen Jahr erdacht – und jetzt schon museumsreif. Die Shmaltz Brewing Company stellt zahlreiche Biersorten her, die Aspekte jüdischer Religion und Identität aufgreifen. Und die Marketingabteilung hat den Schalk im Nacken: Die Biere werden unter dem Markennamen „He’Brew“ verkauft, was im Englischen für „hebräisch“ stehen kann oder für „Er braute“. Und: Ein Bier heißt „Messiah“, also Messias. Wenn das mal keine Provokation ist.

Hopfensäcke mit "SS"-Stempel - eine Provokation

Als Provokation könnten Besucher auch eines der zentralen Gestaltungselemente der Ausstellung begreifen: Der Wiener Architekt Martin Kohlbauer hat duftende Hopfensäcke aufeinandergeschichtet – vom 15. Jahrhundert bis zur Zeit des Nationalsozialismus betrieben vorwiegend Juden den Handel mit Hopfen. Wer genau hinschaut, entdeckt auf den Säcken den Aufdruck „SS“. Die Abkürzung bezeichnet gemeinhin die nationalsozialistische „Schutzstaffel“, die die Vernichtungslager betrieb, in denen Millionen Juden umkamen. Museumschef Purin beschwichtigt: Das Monogramm stehe lediglich für den Hopfenhändler Simon Steiner.

Die Ausstellung

im Jüdischen Museum, St.-Jakobs-Platz, ist zu sehen bis 8. Januar 2017.

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