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Ein Doppelschreibschrank, den Johann Puchwiser zwischen 1704 und 1715 baute. Er verwendete Messing, Zinn, Schildpatt, Schlangenholz- und Ebenholzfurnier.

Ausstellung: Juwelen für die Fürsten-Säle

München - Mit großem Schauwert: Das Bayerische Nationalmuseum zeigt eine Ausstellung über „Prunkmöbel am Münchner Hof“. Was es da zu sehen gibt und ob sich ein Besuch lohnt:

Sind das wirklich noch Möbel? Nein, all diese Kommoden, Spieltische und Kabinettschränke gleichen riesenhaften Preziosen, die man eben nicht um den Hals trägt, sondern in Sälen fürstlicher Residenzen aufstellt. Denn die Oberfläche der Möbel ist ganz mit Einlegearbeiten (genauer: „Marqueterien“) bedeckt, mit einem funkelnden Gestrüpp von schlingernden Ranken- und Figurenornamenten. Aus Schildpatt und Messing, Zinn, Ebenholz, Elfenbein, Perlmutt und anderen kostbaren Materialien bestehen diese Intarsien, die mit ihrem preziösen Geglitzer den Möbelkorpus einerseits fast entmaterialisieren.

Andererseits wirken diese Riesenpuzzle in ihrer überquellenden Üppigkeit auch etwas aufdringlich und indezent. Zur Benutzung waren die so dekorierten Möbelstücke jedenfalls nicht gedacht, sie dienten der Repräsentation oder, wie man heute sagen würde, der „Show“. Um das Jahr 1700 kamen bei Europas Fürsten derartige Prunkmöbel in Mode, die vor allem der französische „Hofebenist“ André Charles Boulle herstellte. Nach diesem Kunstschreiner wird die Einlegearbeit auch als Boulle-Technik bezeichnet (wenngleich sie schon länger gebräuchlich war und etwa in Augsburg ein Zentrum hatte).

Wie seine Herrscherkollegen verfiel auch Bayerns Kurfürst Max Emanuel, der sogar Boulles Werkstatt in Paris besucht hatte, der Intarsienmode. Darum holte er sich 1701 mit Johann Puchwiser einen eigenen „Galanterie-Kistler“ nach München. Und Werke Puchwisers stehen nun im Mittelpunkt der Ausstellung „Prunkmöbel am Münchner Hof“, mit der das Bayerische Nationalmuseum – neben erstrangigen Leihgaben – frisch restaurierte Schätze aus seinem Bestand zeigt, die seit 15 Jahren nicht mehr zu sehen waren.

Ein wenig wuchtig wirken sie schon, die von Puchwiser geschaffenen turmhohen Schreibschränke, aber auch die kleineren Schreibkommoden. Im Kontrast dazu seht das Filigran ihrer Intarsien-Ornamente voller verspielter, teils manierierter Details wie Häschen, Väschen und Ranken. Etwas untergründig Bizarres haftet diesen Prunkmöbeln damit an, die streng ästhetisch betrachtet als monströser Nippes erscheinen mögen – aber damit als Spiegel ihrer Zeit. Denn historisch gesehen sind sie die letzte originäre „Stil-Blüte“ der feudalistischen Epoche am Vorabend jener Aufklärung, die nur ein Menschenalter nach Boulle in die französische Revolution mündet.

Um solche Aspekte macht die effektvolle Ausstellung allerdings diskret einen Bogen. Sie konzentriert sich vielmehr aufs Handwerkliche, zeigt ausführlich, wie man die Intarsien-Furniere einst mit Laubsägen nach Schablonen ausschnitt, polierte und verarbeitete. Aber schließlich ist die Schau ja hervorgegangen aus einem dreijährigen Forschungsprojekt „zur Herstellung und Erhaltung von Möbeln in Boulle-Technik“, das die Getty-Foundation mit 250 000 US-Dollar sponserte und in dessen Rahmen die Puchwiser-Werke restauriert wurden. Schön, dass das Nationalmuseum für diese Konservierungsarbeit soeben den „Europa-Nostra-Preis“ erhalten hat.

Von Alexander Altmann

Bis 31. Juli

Di. bis So. 10 bis 17 Uhr,

Do. bis 20 Uhr

Telefon 089/ 211 24 01.

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