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Röntgenbilder und alte Operationsinstrumente schildern in der Ausstellung, dass in den Davoser Sanatorien Amüsement und Tod nahe beieinander lagen.

Im Literaturhaus

Zauberberg-Ausstellung: Spaß im Salon des Todes

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München - Das Literaturhaus München erzählt in einer Ausstellung von Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“, von Davos und den TBC-Kranken, Liebe, Ideen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg  und  den Bezügen zum Lebensumfeld des Schriftstellers

„Dieses idiotische Schwein soll Ähnlichkeiten mit meiner geringen Person haben“, kritzelte Gerhart Hauptmann auf Seite 377 des „Zauberbergs“. Diesem Roman widmet jetzt das Literaturhaus München die Ausstellung „Thomas Mann – Der Zauberberg – ,Tod und Amüsement‘“ (Kuratorinnen: Karin Becker, Karolina Kühn), mit der sich der Chef, Reinhard G. Wittmann, vom Amt verabschiedet. Mann ist ja einer der Hausgötter der Institution, und sein Roman – 1913 begonnen, während des Ersten Weltkriegs ausgesetzt, bei Kriegsende 1918 wieder aufgenommen und ab 1919 völlig umgeschrieben – passt zu unserem Gedenken an das industrielle Abschlachten vor 100 Jahren. Darüber hinaus mahnt das Opus uns gerade heute, die Menschlichkeit der Internationalität zu feiern und die Skepsis Ideologien gegenüber zu pflegen.

In der ersten Abteilung informiert die Schau über die Liegekur und was Thomas Mann im Roman daraus machte.

Wittmann betont, dass man bei dem 1000-Seiten-Werk „demütig“ werde, und empfiehlt es dringend zur Lektüre. Die Kuratorinnen und das Gestalterteam Costanza Puglisi und Florian Wenz von unodue{münchen ließen sich dennoch nicht abschrecken und bauten den Ausstellungsbesuchern, „Zauberberg“- Neulingen und -Kennern einen gangbaren Weg. Dabei verstiegen sie sich eben nicht in den Klüften des wissenschaftlichen Hochmassivs, sondern blieben im Davoser Sanatorium für geldige Tuberkulosekranke. Die Berge rings um diesen eigentümlichen Mikrokosmos bleiben imposante Kulissen auf Großfolie und im Video – und lassen nur milde ahnen, dass sie symbolisch gewaltig aufgeladen sind.

Der besucherfreundliche Weg also führt uns auf die Liegeterrasse, in Salons, die Untersuchungsräume und am Ende in den Schnee, den Tod, das Leben. Am einen Wegesrand liegen die Geschichten aus dem Roman, am anderen Entstehung und sonstige Begleitumstände – wie eben jener Zorn Hauptmanns. Er beschwerte sich übrigens beim Verleger Samuel Fischer. Schließlich entschuldigte sich Mann beim damaligen Großschriftsteller. Von Anfang an macht das Team klar, dass es die Klammer zu Manns Lebenswirklichkeit schildern möchte.

Die Liegekur für TBC-Kranken dauerte jeden Tag  viele Stunden.
Im Salon der Sanatorien gab es Unterhaltung zwischen Kartenspiel und Musik vom Grammophon.

Es selbst fuhr nach Davos hinauf – im Film sehen wir das Fahr-Panorama der Rhätischen Bahn –, weil Manns Frau Katia wegen eines Lungenspitzenkatarrhs dort weilte und ihm Atmosphäre sowie das Trüppchen der Mitpatienten humorvoll und plastisch schilderte. Im Interview und in dem Text „Meine ungeschriebenen Memoiren“ von 1974 erzählt sie von ihrer Basisarbeit am „Zauberberg“, der den Ingenieur Hans Castorp sieben Jahre gefangen hält – bis der Ausbruch des Ersten Weltkriegs für eine zweifelhafte Befreiung sorgt. Erst wurde gegen den massenhaften Krankheitstod mit allen möglichen, auch grausigen Mitteln wie Rippenresektion angekämpft, dann wurde der massenhafte Tod mit allen Mitteln befördert. Aber in solche Tiefen möchte die Schau nicht vordringen. Wir sehen hingegen Bambusliegen mit Decke und Fellsack für die berühmte Liegekur, finden das Fieberthermometer, den Taschenspucknapf namens „Blauer Heinrich“ – niemand soll angesteckt werden – und das alles putzig.

Erst in der übernächsten Abteilung spürt man vor der Röntgenwand mit Brustkörben, in denen die Lungen dunkel und rätselhaft ruhen, die Todesnähe; vor einem löchrigen Lungen-Präparat; vor der Statistik, die TBC als dritthäufigste Todesursache angibt; vor dem alten Röntgenapparat und dem Pneumothorax-Gerät, mit dem man Lungenflügel zusammenfallen lassen konnte. Hier wird dem Besucher klar, wie grandios Thomas Mann die Ebenen der Krankheit, des Medizingeschäfts und des Tourismus ineinander geschoben hat. Im Mittelteil der Schau, salonmäßig in rotem Samt, steht er im Zentrum. Die Gesellschaft hat, Bazillen hin oder her, ihren Spaß zwischen Musik, Liebelei, Konversation und Philosophieren. Hier findet sich neben einem Sessel aus dem Waldsanatorium ein Grammophon, für Thomas Mann ein Liebesobjekt – die Musik sei ja „Paradigma aller Kunst“.

Bis 26. Juni

Mo.–Fr. 11–19 Uhr, Sa., So., Feiertage 10–18 Uhr; Salvatorplatz 1; 089/ 29 19 340; Begleitheft: sechs Euro.

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