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Die oft schwarzen Hintergründe der Bilder erinnern an die Körpermalerei der Ureinwohner.

Museum Fünf Kontinente

Farbenprächtige Bilder der Ureinwohner

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München - Das Museum Fünf Kontinente zeigt "Aboriginal Art", Kunst der Ureinwohner Australiens - die Ursprünge liegen in der Sandmalerei.

Die Kunst geht nach Brot, klagt der Hofmaler Konti in Lessings Trauerspiel „Emilia Galotti“. Der Künstler muss mit seinem Schaffen seinen Lebensunterhalt sichern und fühlt sich in seiner Kreativität gehemmt. Die Werke müssen vor allem dem Mäzen oder Käufer gefallen. Eine Kluft in der westlichen Welt, die bis heute anhält. Frei von allen Zwängen hingegen funktioniert die Kunst der Ureinwohner Australiens. „Die Menschen arbeiten nur für sich selbst“, sagt Robyn Kelch. Die Werke entstünden allein zu „therapeutischen Zwecken“.

Kelch ist Kuratorin der Ausstellung mit dem sperrigen Titel „Ngaanyatjarra Lands – Aboriginal Art aus Australien“, die ab Freitag im Museum Fünf Kontinente in München zu sehen ist. Die Australierin mit deutschen Wurzeln engagiert sich mit der Wanderausstellung für Künstler aus den entlegenen Regionen Australiens. Das Land der Ngaanyatjarra, eine 160 000 Quadratkilometer große Region im Westen Australiens, spricht man übrigens „Nanandara“ aus.

Als erstes sticht die extreme Farbigkeit der Werke ins Auge. Die getupften Bilder muten kindlich-naiv bis geradezu psychedelisch an. Dabei sind sie fast ausschließlich von alten Menschen gemalt. Bei den australischen Ureinwohnern sind die Alten besonders angesehen, denn sie tragen das „spirituelle Wissen“ in sich, erklärt Kelch.

Das Malen mit Acrylfarbe auf Leinwand ist für die Ureinwohner freilich eine recht neue Ausdrucksform; Jahrtausende lang zeichneten sie in den Sand und bemalten Felsen und Körper mit Farben, die sie aus der Natur gewannen. So erklärt sich auch der oft schwarze Hintergrund der Bilder: Er verweist auf die Hautfarbe der Menschen.

Die Tupfen und Kreise spiegeln die Wüstenlandschaft Australiens wider – aus der Vogelperspektive. Die prächtigen Farben erklären sich durch die neugewonnene Möglichkeit, sie ausprobieren zu können. „Die Menschen hatten schließlich 40 000 Jahre lang nur Naturfarben“, sagt Kelch. Trotzdem ist sie überzeugt: „All die Magentafarben findet man auch in der kargen Wüste, wenn man genau hinsieht.“

Irritierend beim Besuch der Ausstellung: Einige der Werke liegen auf einem kleinen Podest in der Mitte des Raumes. „Das ist eine Anspielung auf die Sandmalerei“, erklärt Robyn Kelch. Nach wie vor malen die Künstler am Boden sitzend. Und: Es sei ihnen egal, wie herum man ihre Werke aufhänge, sagt die Kuratorin. „Die Landschaft bleibt immer gleich – nur die Perspektive ändert sich.“

Zwischen all der scheinbaren Naivität der Bilder blitzt auch Kritik hervor. Die jüngsten Werke enthalten etwa Metallic-Farben: „Ich werte das als politisches Statement“, sagt Robyn Kelch. „Es ist der Ausdruck der Menschen, zu sagen: Die Bodenschätze dieses Landes gehören uns!“ Bohrungen im für die Ureinwohner heiligen Boden, Maschinen, die das Land überrollen – die Weißen, sagt Kelch, bringen die Aborigines aus dem Gleichgewicht. Nicht nur, als sie den Kontinent begannen zu besiedeln, auch heute noch.

Dieser Machtlosigkeit treten die Menschen mit Kunst gegenüber: Aufsehen erregte vor einigen Jahren der „Tjanpi Toyota“ – ein Auto in Originalgröße, gebastelt aus Wüstengras.

Die Ausstellung

im Museum Fünf Kontinente läuft von 15. April bis 5. Juni, Maximilianstraße 42, Di.–So., 9.30 bis 17.30 Uhr.

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