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Der Ruf „Das war spitze!“ zusammen mit einem Luftsprung machten Hans Rosenthal und sein Quiz „Dalli Dalli“ bekannt.

Ausstellung: Nicht alles ist „spitze“

München - An jüdische Fernsehstars wie Hans Rosenthal oder Fritz Benscher erinnert eine Ausstellung im Jüdischen Museum München. Unter dem Titel „Das war spitze!“ untersucht die Schau aber auch, wie Jüdisches im deutschen Fernsehen thematisiert wird.

Ja, so ungefähr sah es aus bei den Großeltern, damals, in den Siebzigern: An der Wand klebten pastellgrüne Blumenmustertapeten, und im Eck stand die Fernsehtruhe. Wenn man zu Besuch kam, flimmerte über den Bildschirm oft Hans Rosenthal, der in die Luft sprang und rief „Das war spitze!“. So heißt auch die Ausstellung im Jüdischen Museum, die solche Déjà-vu-Erlebnisse bietet.

Das Kontrastprogramm zu Retro-Ambiente und Unterhaltungsharmonie gibt’s dann in einem Nebenkabinett: Wenn man dort eine Schublade öffnet, sieht man unter Panzerglas den Judenstern, den Hans Rosenthal als Jugendlicher in Nazi-Deutschland tragen musste. Ihrer Kernfrage nach dem „Jüdischen in der deutschen Fernsehunterhaltung“ (falls es das gibt) geht die Ausstellung mit abwechslungsreichen Rauminstallationen auf den ersten Blick eher kulinarisch als analytisch nach. So erinnert sie etwa auch an einen heute vergessenen Pionier des Bayerischen Fernsehens, den Auschwitz-Überlebenden Fritz Benscher, der in den Fünfzigern mit seinem Tick-Tack-Quiz populär war. Eine andere Station widmet sich deutsch singenden israelischen Schlagerstars wie Daliah Lavi oder Esther und Abi Ofarim. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass hinter der Geschichte ihres Erfolgs – ähnlich wie bei Hans Rosenthal – noch eine untergründige Story mitklingt: die Botschaft vom „gereinigten“ Deutschland, das sich für jüdische Künstler begeistert.

Weitere Stationen, die etwa mit Spurensicherungs-Koffer und Polizeiabsperrung ein Krimi-Filmset nachstellen, thematisieren die Darstellung von Juden in Serien wie „Tatort“ oder „Lindenstraße“. Denn so gut gemeint diese Versuche, „das Jüdische“ im familientauglichen Fernsehprogramm aufzunehmen, auch sind – sie bleiben insofern heikel, als die Formgesetze des Mediums sie immer relativieren: Der Unterhaltungsfilm kommt nämlich grundsätzlich nicht ohne klischeehafte Vereinfachung aus. Dieser Problematik spüren Fotos von Sibylle Baier aus den Filmstudios Babelsberg nach: Da sieht man im Fundus Schachteln mit „Judentüchern“ oder Regale mit „Judenmänteln“, während in einer Kiste eindeutig gekrümmte Nasenmasken herumliegen. Das ist dann nicht unbedingt „spitze“.

Bis 6. November

Di. bis So., 10 bis 18 Uhr, Telefon 089/ 233 96 096.

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