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Jean-Jacques Sempé: Das Blatt „Tempo assez lent“ (Tempo ziemlich langsam) stammt aus dem Jahr 1985.

Staatsbibliothek

Ausstellung: Sempés kleines Glück

München - „Tag für Tag – Sempé in deutschen Sammlungen“ ist der Titel der Ausstellung über den Karrikaturisten, die das Institut francais und die Bayerische Staatsbibliothek veranstalten.

Er hat uns ertappt, uns Ausstellungs-Beäuger: Jean-Jacques Sempé (77). Diese typische leicht vorgebeugte Haltung, der Kopf nähert sich dem kleinen Bild, während der Körper auf respektvoller Distanz bleibt. In der Ausstellung „Tag für Tag – Sempé in deutschen Sammlungen“, die das Institut franais und die Bayerische Staatsbibliothek veranstalten, ist das das erste Bild, das der Besucher erblickt. Kuratorin ist Joëlle Chariau, die betont, dass es in Deutschland die besten Sempé-Sammlungen gebe. Die Galerie Bartsch & Chariau in München vertritt Sempé. In der Schau sind 150 Originale zu bewundern, die Hälfte davon blieb bisher unveröffentlicht.

In der Stabi sind damit die wichtigen Sempé-Themen versammelt: Pariser, New Yorker, Musiker, Radler – Menschen eben. Natürlich sind sie es, die den Autodidakten am meisten interessieren. Wie wird man von der Umgebung geprägt? Sei es die Dichte der Stadt, die Weite des Landes, seien es die anderen Leute oder der Beruf. Sempés feine Tuschelinie schnüffelt wie ein Suchhund hinter all diesen Charakteristika her. Umschmeichelt und akzentuiert wird die Linie bisweilen von Aquarelltönen. Beide bilden mit seinem Witz eine untrennbare Einheit. Dieser entspringt aus kluger Beobachtung, einer Lebenshaltung, die nicht dem Zeitgeist hinterherhechelt und – der Liebe zu den Menschen.

Ihnen als Menge wird Sempé ebenso gerecht wie als Individuum. Im Boulevard-Gewurrl lassen sich wirklich Einzelwesen auseinanderhalten, und selbst die schiere Masse, die einem Redner lauscht, formt der Künstler zu einem Vielfach-Wesen. Ihm gibt er Bewegung, sodass man gewissermaßen dessen Muskeln spürt. Die wahre Sorgfalt gehört aber der einmaligen Person. Dem erschöpften Geiger, allein im riesigen Salon, dem nur noch die vielen Fauteuils Gesellschaft leisten. Oder der ermatteten Ballettratte, die die Spitzenschuhe ausgezogen hat und die Füße streckt, dass die kleinen Zehen nur so fliegen. Ein wunderbar weises Bild von Disziplin und Freiheit: Sempé ist der Meister des kleinen Glücks, und er lehrt uns, dass es das große ist.

von Simone Dattenberger

Ausstellung

Bis 8. August, Mo.-Sa., 8-20 Uhr, Eintritt frei, Buch, Diogenes: 34,90 Euro.

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