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Nichts für Feministinnen: Honoré Daumier macht sich gern übers weibliche Karrierestreben lustig. 

Ausstellung mit spitzer Feder

München - Historische Zeugnisse und meisterhafte Kunst: Die Graphische Sammlung in München zeigt Karikaturen von Honoré Daumier.

Feministisch korrekt ist diese Ausstellung ja nicht gerade. Denn Honoré Daumier (1808-1879) macht sich in seinen Karikaturen über malende Frauen genauso lustig wie über Sozialistinnen, die von einem „Tyrannen“, nämlich ihrem Säugling, davon abgehalten werden, politische Versammlungen zu besuchen. Man sieht, schon Mitte des 19. Jahrhunderts war es nicht ganz einfach, Kind und Karriere zu vereinbaren.

Diese witzigen Lithographien des Pariser Künstlers, die von der Staatlichen Graphischen Sammlung in der Pinakothek der Moderne präsentiert werden, gehören zu einem Konvolut von über 3000 Blättern Daumiers, das das Sammlerehepaar Brigitte und Walter Kames 2011 gestiftet hat. Besonders aufschlussreich sind dabei die vollständigen Serien, wahlweise über Spekulanten, Emanzen oder den Spiritismus-Boom – allesamt Themen, die überraschend aktuell wirken.

Deutlich macht die Schau aber auch, dass Daumier in den tagesaktuellen, journalistischen Anlässen der Karikaturen oft die allgemeine Zeittendenz aufspüren wollte. Aber die Qualität seiner Arbeiten besteht ja ohnehin darin, dass sie beides sind: historische Zeugnisse und meisterhafte Kunstwerke.

Im Frühwerk gibt es etwa die inhaltlich heute nicht mehr verständlichen, aber ungeheuer fein und akkurat gezeichneten Karikaturen von Höflingen des Bürgerkönigs Louis-Philippe, die als Allegorien dargestellt werden und gleich im Eingangskorridor der Ausstellung zu bewundern sind. Später musste Daumier dann wegen der Zensur die direkte politische Karikatur zurückstellen.

Er wandte sich satirischen Genreszenen aus dem bürgerlichen Alltagsleben zu, die, trotz einer Tendenz zum Grotesken, inhaltlich eher harmlos bleiben. Manchmal haben sie sogar einen Stich ins Beschauliche, wenn sich der Zeichner etwa über würdige Herren mit Zylinder und Frack lustig macht, die beim Schlittschuhlaufen in den Tuilerien ins Eis einbrechen. Hierin eine verdeckte politische Symbolik zu erkennen, ist absolut erlaubt.

Auf jeden Fall sind diese Blätter mehr als nur die mondäne Pariser Variante von Spitzweg-Idyllen. Denn während Daumiers Sujets beschränkter werden, wird sein Strich freier, offener. Gerade diese Spannung zwischen braven Motiven und fahrig-aufgewühltem Zeichenduktus macht die gestaute, unterdrückte Erregung der Biedermeier-Epoche spürbar.

Alexander Altmann

Bis 17. Februar,

täglich, außer Mo., von 10 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr; Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40; Informationen unter Tel.: 089/23 80 53 60.

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