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Stolze 24 Jahre lang im Bayerischen Fernsehen: Reiner Zimniks Grantlhuber Sebastian Gsangl.

Ausstellung: Zwischen Lebenslust und Stammtisch-Parole

Tegernsee - Etabliert, preisgekrönt und durch viele Bücher und Fernseh-Kooperationen bekannt: Illustrator Reiner Zimnik zeigt seine Werke im Gulbransson-Museum Tegernsee.

Reiner Zimnik lässt die Soldaten tanzen. Sie tragen Tarnanzüge, rote Pappnasen und weiße Schminke. Sie werden zu „Gnomsoldaten“, die die Querpfeife spielen, sie werden zu einem Veteranen-Vierer im Haferfeld (oder Haberfeld?), sie werden zu Militärpfeifen im Stechschritt oder zu Militärclowns im Reigen. So zart der Strich, so akribisch die Ausarbeitung, so malerisch der Effekt – so heftig sind diese schönen Bilder auch.

In den 90er-Jahren brauchte Zimnik kein Blatt mehr vor den Mund nehmen: Etabliert, preisgekrönt und durch viele Bücher und Fernseh-Kooperationen bekannt, hat der ehemalige Absolvent der Münchner Kunstakademie hier eine kritische Bildwelt geschaffen, die seine Markenzeichen Feinsinn und Fantasie tragen. Seine Karriere von den 50ern bis heute ist jetzt im Gulbransson-Museum Tegernsee in Szene gesetzt.

Begonnen hat alles naiv und ganz liebevoll. Zimnik machte sich als Buchillustrator und bald auch als Autor einen Namen. Bills Ballonfahrt (1970) im Bett ist wohl der Jugendtraum schlechthin, den die aufgeregten Eltern mitverfolgen: in nie schrillen, fröhlichen Farben und klassischer Manier. Die Erforschung des Yetis in zarten Schwarz-Weiß-Strichen (1971) zeigt, wie präzise und leise sich Zimniks Ideen aufbauen, wie er seine Figuren am Rande der Gesellschaft beobachtet und poetische Gegenwelten aufbaut.

Daraus werden dann in den 80er Jahren die Baumlegenden fürs Fernsehen: Fast meint man, Caspar David Friedrich habe sich nicht nur bei der „Schmugglerfichte“ zum Sozialkritiker weiterentwickelt. Die Biergarten-Kastanie im Münchner Hirschgarten wird zum Epos gegen Kriegsgewinnler, aber auch zum Abbild kleinbürgerlicher Rebellion, Starrheit und Sicherheitsbedürfnis. Schon mit der Erfindung des Dienstmannes „Lektro“ verlieh Zimnik 1958 bis ’64 im TV dem Volk eine Stimme zu den Konfusionen der Politik und Technik. Noch länger, nämlich ganze 24 Jahre lang, wurde im Auftrag des Bayerischen Fernsehens die Serie um den Grantlhuber Sebastian Gsangl ausgestrahlt. Liebenswerte Parodie, Schildbürgertum, Stammtisch-Weisheiten und Tradition bündelte er dafür in markantem Strich.

Zwischendurch versetzt er immer wieder der Romantik einen Kick Richtung Dada, lässt Yaks am Chinesischen Turm in München grasen (1978) und transportiert vor allem klassische Frauen-Themen in die Modernität. Zimnik hat in Themen-Serien die Grazien der Kunstgeschichte zweckentfremdet. Oder auch nicht: Schon immer gab es schließlich viele Vorwände für Akt-Darstellungen, heute darf man sich an ungezwungener Nacktheit unter schicken Hüten auch ohne Entschuldigung erfreuen. Flügelhauben verpasst Zimnik seinen hauchzarten Damen zwischen Gotik und Modigliani (1972-2005).

Die Venen von Willendorf (seit 1994) sind da von ganz anderem Kaliber. Auf die Fruchtbarkeitssymbolik greift er mit der stämmigen Naivität des beginnenden 20. Jahrhunderts zurück. Mit 82 Jahren, nach 60 Jahren München, ist aus der Poesie die dralle Lebenslust geworden.

Bis 18. März,

Telefon 08022/ 33 38.

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