Der Autor soll alle Grenzen sprengen

- Selten hat ein Werk schon vor Veröffentlichung so viel Furore gemacht. Ganz Frankreich scheint derzeit nur einen einzigen neuen Roman im Auge zu haben, "La possibilité d´une ile" ("Die Möglichkeit einer Insel") von Michel Houellebecq.

Foto-Seiten mit dem schmächtigen Autor (47), Hintergründiges, Interviews, Vorab-Kritiken - die Medien überschlagen sich. Dem Verlag Fayard des Erfolgsautors ist das nur recht, der neue Star des Hauses soll mehr denn je alle Grenzen sprengen. "Die Möglichkeit einer Insel" kommt Ende der Woche gleichzeitig in mehreren Ländern heraus, darunter in Deutschland bei DuMont.

Houellebecqs vierter Roman handelt von dem tristen Leben des alternden Humoristen Daniel, der als prominente Persönlichkeit bei der Elohim-Sekte aufgenommen und nach seinem Tod geklont wird. Der gelernte Ingenieur Houellebecq begibt sich auf das von ihm geschätzte Feld der Science-Fiction. Ob nun ätzende philosophische Meditation, geniale (und wie immer politisch unkorrekte) Kritik an zeitgenössischem Ex-und-Hopp-Denken oder provozierende Bilanz eines frustrierten alten Nörglers: Houellebecqs Kollegen und die Literaturkritiker haben bereits ihre Stellungen bezogen, auch wenn das Publikum noch keine der wie immer mit deftigem Sex gepfefferten 450 Seiten hat lesen können.

Angelo Rinaldi legte das Werk als "trocken und obskur" aus der Hand. Jacques-Pierre Amette fand es "todlangweilig". Das ganze Gegenteil dazu meint Philippe Sollers. Immerhin ist Houellebecq der meistübersetzte zeitgenössische Schriftsteller Frankreichs (in 35 Sprachen). Indes wird Houellebecq-Kritisches veröffentlicht. Dabei geht es um die vermeintliche Sekten-Nähe des 47-Jährigen Provokateurs. Das Magazin "Paris-Match" hat den neuen Roman bereits angeprangert, weil darin die Klon-Bewegung der Elohim so eingehend beschrieben werde und wie eine Verteidigung oder gar eine Verherrlichung der Sekte klinge.

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