Autoren der jungen und mittleren Generation buhlen um Buchmesse-Preis

Leipzig - 750 Bücher haben die sieben Juroren in den vergangenen Wochen begutachtet. Nun stehen die Nominierten für den "Preis der Leipziger Buchmesse" 2008 fest.

15 Frauen und Männer wurden für die Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung ausgewählt. Die Autoren gehören überwiegend der mittleren und jüngeren Generation an. Dies habe sich bereits durch die Einreichungen so ergeben, sagte der Juryvorsitzende Ulrich Greiner, Literaturchef der Wochenzeitung "Die Zeit". Martin Walser (80) etwa sei vom Verlag nicht vorgeschlagen worden.

Hans Magnus Enzensberger (78) dagegen wurde von seinem Verleger mit seinem neuen Werk über den preußischen General Kurt von Hammerstein-Equord ins Gespräch gebracht - allerdings ohne sein Wissen. "Als er selbst erfuhr, dass er nominiert werden soll, sagte er, das wolle er nicht", berichtet Greiner.

Die Nominiertenplätze in der Belletristik teilen sich die beiden ostdeutschen Autoren Jenny Erpenbeck und Clemens Meyer mit dem 43-jährigen deutsch-irakischen Schriftsteller Sherko Fatah ("Das dunkle Schiff", Jung und Jung), dem 1964 in der Türkei geborenen Feridun Zaimoglu ("Liebesbrand", Kiepenheuer & Witsch) und dem 51-jährigen Ulrich Peltzer ("Teil der Lösung", Ammann Verlag). Erpenbeck (40) wurde für ihren Roman "Heimsuchung" (Eichborn Berlin) nominiert, der 1977 geborene Jungautor Clemens Meyer für sein zweites Werk, "Die Nacht, die Lichter" (S. Fischer).

In der Sparte Sachbuch/Essayistik überwiegen biografische Werke. Der 1955 geborene Thomas Karlauf schaffte es mit seiner Biografie über den Dichter Stefan George auf die Liste ("Stefan George. Die Entdeckung des Charisma", Blessing). Die 1943 in Moskau geborene Irina Liebmann hat mit "Wäre es schön? Es wäre schön! Mein Vater Rudolf Herrnstadt" (Berlin Verlag) - einer Biografie über den Journalisten und Kommunisten, der 1953 aus der SED ausgeschlossen wurde - Chancen auf einen Preis. Zu den weiteren Favoriten im Sachbuchbereich zählen der 1960 geborene Germanist und Kritiker Michael Maar mit "Solus Rex" (Berlin Verlag) mit seinem Werk über "die schöne böse Welt des Vladimir Nabokov", der 55 Jahre alte Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma mit "Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne" (Hamburger Edition) und der Politologe und Historiker Bernd Greiner (Jahrgang 1952) für "Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam" (Hamburger Edition).

Auf der Nominiertenliste der Übersetzer drängen sich renommierte Namen und große Werke: Elisabeth Edl (Stendhal: "Die Kartause von Parma", Hanser), Frank Heibert (Richard Ford: "Die Lage des Landes", Berlin Verlag), Gabriele Leupold (Warlam Schalamow: "Durch den Schnee", Matthes & Seitz), Kurt Steinmann (Homer: "Die Odyssee", Manesse) und Fritz Vogelgsang (Joanot Martorell: "Der Roman vom Weißen Ritter Tirant lo Blanc", S. Fischer) können auf den Preis hoffen. Im vierten Jahrgang waren für die anerkannte Auszeichnung erneut mehr Werke vorgeschlagen worden als im Vorjahr. Dabei spielten Literatur-Übersetzungen ein größere Rolle als bisher, sagte Greiner.

Prämiert werden herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen. "Mit dem Preis würdigen wir nicht nur die Arbeit der Verlage und des Buchhandels, sondern wir geben den Lesern auch Empfehlungen", erklärte der Direktor der Buchmesse, Oliver Zille. Für die Nominierung war eine aus sieben namhaften Literaturredakteuren bestehende Jury zuständig. Die Preisträger werden zur Verleihung am 13. März auf der Leipziger Buchmesse bekanntgegeben. Erst eine Stunde zuvor trifft die Jury die endgültige Entscheidung. Die Auszeichnung in den drei Kategorien ist zu gleichen Teilen mit insgesamt 45 000 Euro dotiert.

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