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Dieses Bühnenbild muss bald eingemottet werden: Szene aus „Baal“ in der Münchner Inszenierung von Frank Castorf, der die Geschichte im Umfeld des Vietnam-Kriegs ansiedelt.

Rechtsstreit

Baals Tage sind gezählt

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München - Im Rechtsstreit um Castorfs Baal-Inszenierung hat es einen Vergleich zwischen dem Münchner Residenztheater und dem Suhrkamp Verlag gegeben: Die Inszenierung darf noch zweimal gezeigt werden.

Der Streit um Frank Castorfs Inszenierung von Bertolt Brechts „Baal“ am Münchner Residenztheater endete am Mittwoch vor dem Landgericht München um 20.30 Uhr nach sechseinhalb Stunden Verhandlung mit einem Vergleich. Die Kernpunkte: Das Staatsschauspiel darf die Produktion, die am 15. Januar Premiere feierte, nur noch zweimal zeigen – eine Vorstellung bis Ende März im Residenztheater, eine weitere beim Theatertreffen im Mai in Berlin, wohin die Arbeit eingeladen wurde. Das Theater hat sich verpflichtet, eine entsprechende Unterlassungserklärung abzugeben. Jeweils vor den beiden noch stattfindenden Aufführungen steht es dem Suhrkamp Verlag frei, vor dem Publikum eine kurze, mit dem Theater abgestimmte Erklärung abzugeben. Die Kosten des Verfahrens trägt das Staatsschauspiel.

Wie berichtet, hatte Suhrkamp als Vertreter der Brecht-Erben beim Landgericht München eine Einstweilige Verfügung gegen die Inszenierung beantragt. Bei Castorfs Interpretation handele es sich um eine „nicht autorisierte Bearbeitung des Stückes“. Der Regisseur hat „Baal“ Fremdtexte, etwa von Rimbaud und Carl Schmitt, aber auch eine längere Sequenz aus Francis Ford Coppolas Kriegsfilm „Apocalypse Now Redux“ hinzugefügt.

Was beide Parteien am Ende eines langen Verhandlungstages im Saal 601 des Landgerichts vereinbarten, lag bereits rund 90 Minuten nach Beginn schon einmal auf dem Tisch: Das Theater hatte da vorgeschlagen, die Inszenierung nur noch an den bereits geplanten Terminen am 28. Februar sowie am 9. und 31. März in München zu zeigen – und bei den beiden geplanten Gastspielen beim Berliner Theatertreffen. Ein weiteres Angebot: Titeländerung der Produktion, Hinweis vor jeder Aufführung auf die unterschiedlichen Rechtsauffassungen verbunden mit einem besonderen Dank an den Suhrkamp Verlag.

Der Vorsitzende Richter legte dessen Vertretern nahe, auf diesen Vorschlag einzugehen: „Und Suhrkamp müsste auch hinnehmen, dass Tantiemen fließen“, erklärte er zur Erheiterung des Publikums im vollbesetzten Saal. Doch die Vertreter des Verlags lehnten – offenbar nach telefonischer Rücksprache mit der Geschäftsführung – das Angebot des Theaters ab. Suhrkamp wollte zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Vorstellung am 28. Februar in München hinnehmen. Als der Richter für eine weitere beim Theatertreffen warb („ein Zuckerl, das man der Beklagten geben sollte“), schüttelten die Justiziarin und der Anwalt des Verlags nur die Köpfe. „Das ist schwach“, kommentierte diese Ablehnung Residenztheater-Intendant Martin Kušej. Auch die erneute Intervention des Richters brachte kein Einlenken: „Rufen Sie bitte nochmal an und sagen Sie, dass das Gericht darauf hinwirkt“, forderte er die Verlagsseite auf. Doch Suhrkamp verlangte zu diesem Zeitpunkt eine Entscheidung des Gerichts.

In der folgenden mehrstündigen Befragung der Zeugen Sebastian Huber, Chefdramaturg des Theaters, Angela Obst, Dramaturgin bei „Baal“, und Frank Kroll, Leiter des Suhrkamp-Theaterverlags ging es unter anderem um Absprachen zwischen Theater und Verlag zu möglichen Änderungen des Brecht-Textes.

Nach einer weiteren Unterbrechung schlug Suhrkamp dann den eingangs erwähnten Vergleich vor. Als die Vertreter des Theaters von ihrer Beratung zurück in den Saal kamen, zitierte deren Anwalt Jörg Thomas aus der Matthäus-Passion: „Am Abend kam die Taube wieder/ Und trug ein Ölblatt in dem Munde.“ Das sei zwar nicht Brecht, sondern Bach, aber dennoch schön. Da meinte einer der Beisitzer trocken: „Und Bach ist schon lange genug tot.“ Heißt: Das Urheberrecht ist längst erloschen.

Von Michael Schleicher

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