Bach in der Basilika

- Allah ist groß - so steht es in arabischen Schriftzeichen auf einer der bronzenen Pforten des Petersdoms in Rom. Wer es nicht glauben will, der sollte die nächste Chance nutzen, in die Ewige Stadt zu pilgern, und hoffen, dass er dort auf einen Führer trifft, der ihn auf solche ungewöhnlichen Aperç¸us hinweist.

<P>Wilhelm Krammer ist ein solcher, ein Kunsthistoriker von höchsten Gnaden, der interessierte Rom-Besucher mitnimmt auf eine unendliche Reise hinein in die Geschichte dieser Stadt, ihrer Päpste und Basiliken, ihrer römischen Ursprünge und ihrer Renaissance-Pracht. Er gehört ins Team von Hans-Albert Courtial, der schon im Alter von 21 Jahren begann, Pilgerreisen zu organisieren. Mittlerweile lebt Courtial seit 35 Jahren in Italiens Metropole und frönt nun seiner neuen Leidenschaft, der Kirchenmusik.</P><P>Natürlich nicht, ohne Rom-Reisende daran teilhaben zu lassen. "Zwei Dinge füllen die Kirchen in Rom: Der Papst und die Musik", konstatiert der engagierte Katholik mit direktem Draht zum Vatikan und hilft auf seine Weise mit, die römischen Gotteshäuser zu füllen. Er gründete eine Stiftung, um "Musica e Arte Sacra" zu fördern und gewann die Wiener Philharmoniker für seine Idee. Sie verpflichteten sich, fünf Jahre lang das herbstliche Festival di Musica e di Arte Sacra zu unterstützen. "Auch heuer kommen sie für ein Konzert nach Rom, zu einem guten Preis", freut sich Courtial, der den Domkapellmeister von St. Peter und den Präsidenten des päpstlichen Kirchenmusik-Institutes mit ins Boot nahm.</P><P>In diesem Jahr bietet das Festival, das am 19. November mit einem Gottesdienst mit Gregorianischen Gesängen im Petersdom eröffnet wird, bis zum 23. November in den drei römischen, von der Sommerhitze noch erwärmten Patriarchalbasiliken folgende Konzerte: In der Basilica di Santa Maria Maggiore führen die Neue Düsseldorfer Hofmusik und der Kölner Domchor unter der Leitung von Eberhard Metternich Bachs Johannespassion auf (20. November). Am darauf folgenden Abend gastiert das Hilliard Ensemble mit Werken von Lasso und Palestrina in der Basilica San Giovanni in Laterano und am 22. 11. setzen die Wiener Philharmoniker unter Nikolaus Harnoncourts Leitung mit Haydns "Schöpfung" den Höhepunkt in der Basilica di San Paolo fuori le Mura (vor den Mauern). Mit allzu Weltlichem, Werken der Familie Strauss, locken die Wiener und Harnoncourt am Sonntagvormittag (23. 11.) in den Parco della Musica, und am Abend erklingt in der Lateransbasilika Mozarts Requiem mit dem Kammerorchester der St. Petersburger Philharmoniker und einem Chor aus den USA.</P><P>Chöre und Ensembles aus aller Welt</P><P>Im musikalisch nicht sonderlich verwöhnten Rom halten Hans-Albert Courtial und seine Amici della Musica Sacra auch außerhalb der Festivalzeit das Interesse an der Kirchenmusik mit rund 60 Konzerten in der Jesuitenkirche San Ignazio wach. Dort sind Chöre und kleine Ensembles aus aller Welt zu Gast, denen es eine Ehre ist, in Rom zu singen und zu musizieren. Große Kunst darf da nicht unbedingt erwartet werden, wenn etwa ein amerikanischer Chor Verdis Requiem in einer Besetzung mit Pauken, Trompeten, Trommel, Flöten und Orgel anstimmt . . . Dennoch strömen jede Woche römische und ausländische Musikfreunde in die zentrale Kirche an der intimen Piazza di San Ignazio und fördern über ihren Mitgliedsbeitrag (Eintrittsgelder sind in römischen Kirchen verpönt) die Stiftung. Die wiederum setzt ihre Einkünfte zur Erhaltung der sakralen Kunst ein und engagiert sich bei der Restaurierung unter anderem der Kapelle des Hl. Stefanus in San Paolo, der Moretti-Orgel in der Lateransbasilika oder der Bibliothek des päpstlichen Institutes für Kirchenmusik.</P><P>So führt im Ringschluss die Musik wieder zu den Schätzen der Bildenden Kunst und zu Dottore Krammer. Er stellt die Verbindungen der Kulturen untereinander her, verweist beim Anblick orientalisch gedrechselter Säulen in San Paolo auf muslimische Handwerker aus Sizilien. Im Lateran berichtet er von Papst Sixtus V., der den bankrotten Vatikan in nur fünf Jahren sanierte, und bei der vor dem großen Touristenansturm terminierten Führung durch die Sixtina lässt er Michelangelos Genie in allen Details lebendig werden.<BR>Wer über Courtial International seine Reise bucht, logiert in jedem Fall unweit vom Petersplatz: nobel in der Residenza San Paolo VI. mit Blick auf St. Peter, im Palazzo Cesi, Via della Conziliazione, oder im ebenfalls nahen, preiswerteren Gästehaus.</P><P>GABRIELE LUSTER</P><P>Infos: Courtial Reisen, Angelika Müller, Neuhauser Straße 16, 80331 München, Tel. 089/ 228 808 43/ 44; muellerpromusicaeartesacra.it oder bei der VHS München.</P>

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