Bach bizarr gebürstet

- "Guten Abend meine Damen, Herren und Kinder!" Nigel Kennedy wandte sich in der Münchner Philharmonie erst mal direkt an seine Fans, bevor er zum ersten Bogenstrich auf seiner Guarneri ansetzte. "Bach the best Composer in die Welt - let's go!" Als Bestätigung reißt er den rechten Arm mit geballter Faust nach oben zur Publikums- und Selbstmotivation und setzt mit dem a-moll-Violinkonzert BWV 1041 zum dreistündigen Geigenmarathon an. Drei Bach- und vier Vivaldi-Konzerte stehen auf dem Programm. Begleitet vom Polnischen Kammerorchester aus Krakau, dessen künstlerischer Leiter er seit 2002 ist und mit dem er derzeit durch Deutschland tourt.

<P class=MsoNormal>Doch mit Herrn Bach hat der gründlich bei Koryphäen wie Yehudi Menuhin oder Sté´phane Grappelli studierte britische Fiedel-Freigeist so seine Anlaufschwierigkeiten. Er bürstet den Altmeister rasant, teils bizarr, vor allem im Finale, gegen den Strich. Eher dünn, etwas fisselig ist dabei sein Ton. Ruhiger spielte er gemeinsam mit Tytus Wojnowicz das Doppelkonzert für Violine und Oboe BWV 1060 und mit Jakub Haufa das Doppelkonzert für zwei Violinen BWV 1043. Wichtig ist Kennedy vor allem, dass die Performance Spaß macht.</P><P class=MsoNormal>Seit 1977 im Geschäft und 1989 weltberühmt geworden durch seine eigenwillige Interpretation von Vivaldis "Vier Jahreszeiten", scheint er Vivaldi mit seiner einzigartig progressiven Ausdruckskraft besser bearbeiten zu können. Kennedy hat mächtig Freude an der Interaktion mit dem Publikum. Einst Enfant terrible der Klassikszene kann man sich den Paradiesvogel gar nicht mehr anders vorstellen als im Designer-Punk-Outfit. Selbst ergraut im Widerstand gegen überkommene Konventionen hat er allerdings noch viel vor sich im durchaus witzigen und notwendigen Kampf gegen die fantasielose Benennung der Vivaldi-Konzerte durch Nummern: "The next one has an amazing title, ,F. 1 Nr. 43. I think, I hope you like it." </P><P class=MsoNormal>Nach der entspannten, lustvollen Vivaldi-Experience folgte ihm sein Krakauer Ensemble zu einer ausgedehnten Variante von Jimi Hendrix' "Purple Haze". Fußball-Fan Kennedy dankte für die Standing Ovations mit einem signierten runden Leder, das er ins Publikum schoss. Spaß hat dieser Abend Kennedy und seinen Musikern sichtlich bereitet. </P>

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