Bach und die Cowboys

- Diesseits oder jenseits der Grenze? Im bejubelten Konzert des Klavierduos Paratore im Prinzregententheater schien sich die Frage nach den hehren Kategorien von E- und U-Musik nicht zu stellen. Eher die nach der Grenze zwischen besserer und schlechterer, besser oder schlechter gespielter und zwischen besseren und schlechteren Flügeln.

<P>Vor allem Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" in einer Fassung für zwei Klaviere (Von wem eigentlich? Das Programmheft gab keine Auskunft.) hinterließen derartige Fragezeichen. Unbestreitbar wenigstens die Qualität der Komposition, die genialische Kraft von Mussorgskis musikalischem Vorstellungs- und Formulierungsvermögen.<BR><BR>Sonst aber? Das Arrangement für zwei Flügel tat dem dem original für Klavier solo geschriebenen Stück nicht gut, verlockte die Interpreten zu Klangexzessen, die in Verbindung mit den beiden dumpf, basslastig intonierten Flügeln die ironische Frische und den zarten Schmerz des Zyklus' über weite Strecken einfach platt wälzten. Eindrucksvolle Passagen dennoch: etwa die lange verklingend gehaltenen Akkord-Cluster in "Catacombae".<BR><BR>Nach der Pause standen die Zeichen unverkennbar auf Jazz. Obwohl Dave Brubecks "They all sang Yankee Doodle", eine Art Collage über die inoffizielle amerikanische Nationalhymne, neben allem Jazz-Idiom auch solide, "klassische" Kompositionstechniken verwendete. </P><P>Mit seinen vielen Zitaten von Cowboy-Songs bis zu Bach-Chorälen schwungvoll interpretiert, erinnerte das Medley ein bisschen an Charles Ives, ohne dabei über Ives'sche Zersetzungskraft zu verfügen.<BR><BR>Auch in seinem "Concerto in F" bemühte sich George Gershwin, die klassische Form mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Jazz zu verschmelzen. Die energetisch-schroffe Werksicht der Paratores vermied die Gefahren von zu viel Songmelodien-Seligkeit und stellte das Stück gleichberechtigt in den Kreis "seriöserer" Zeitgenossen von Bartók bis Strawinsky.</P>

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