Mit Bach schwärmen

- Dieses Konzert war schon mehr als eine kleine Entschädigung. Magdalena Kozená´, ab Mai eigentlich im Nationaltheater für Cavallis "La Calisto" gebucht, musste bekanntlich die Premiere absagen. Weshalb, wurde nun auch dem letzten Uninformierten im Herkulessaal ersichtlich: In sechs Wochen ist Geburtstermin, der werdende Papa Simon Rattle wachte im vorderen Parkett, Mitte über die Lebenspartnerin.

<P>Und die Tschechin demonstrierte gleich einmal, was sie unter Bach-Interpretation versteht. Jedenfalls kein zurückhaltendes Säuseln, sondern durchaus Emphase beim Texttransport, weshalb sich in die Kantate "Mein Herze schwimmt im Blut" ein schwärmerischer, leicht opernhafter Tonfall schlich. Noch lässt sich Magdalena Kozená´ als Mezzosopran vermarkten. Doch nicht nur dieser bejubelte Abend führte vor Ohren: Eigentlich ist sie ein Sopran - nur eben mit einer aparten dunklen, sinnlichen Farbe und einer noch entwicklungsfähigen Höhe. Fernab gekünstelter Emotion sang Magdalena Kozená´ die Trauerkantate, auch Bachs weltliches Opus "Non sa che sia dolore". Ihre Stimme führte sie dabei fast instrumental, mit sparsam eingesetztem Vibrato und klug gebündeltem Klang.</P><P>Die Musica Antiqua Köln bildete das orchestrale Pendant. Das Ensemble bevorzugt einen zupackenden Barock: Hochpräzise und mit einer markig-druckvollen Tongebung wurden nicht nur Bach, sondern auch das Konzert für Oboe und Flöte von Johann David Heinichen, Telemanns Concerto polonois "Rossignolo" und Johann Georg Pisendels "Concerto da Camera" musiziert. Alle vom Repertoire vernachlässigte Zeitgenossen Bachs, für die sich Goebel seit Jahren einsetzt. Und damit, der Abend bewies es, verdiente Lorbeeren einheimst.</P>Werke von Bach und aus seinem kompositorischen Umfeld bietet auch Magdalena Kozenás neue CD "Lamento" mit der Musica Antiqua Köln (Deutsche Grammophon).

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Wie andere könnte man sich über die Operette lustig machen. Oder man nimmt den „Tapferen Soldaten“ so ernst wie Peter Konwitschny bei seinem späten Debüt am …
Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen
Popstar Shakira hat am Sonntagabend in der ausverkauften Olympiahalle die Massen zum Ausflippen gebracht. Die Kritik:
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen
Andreas Gabalier im Olystadion: Volks-Rock-Party vor vollem Haus
Er hat es wieder getan: Andreas Gabalier hat zum dritten Mal in Folge das ausverkaufte Olympiastadion gerockt. Lesen Sie hier unsere Konzertkritik vom Samstagabend.
Andreas Gabalier im Olystadion: Volks-Rock-Party vor vollem Haus
Tiefe Trauer um den „Guttei“
Nicht nur in der Gemeinde Neubeuern sitzt der Schock tief: Der Chorleiter und begeisterte Dirigent Enoch zu Guttenberg ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Lesen Sie …
Tiefe Trauer um den „Guttei“

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.