Bach-Bescherung

- Drei Wochen vor Weihnachten gab es für die Münchner Bach-Freunde schon eine reiche Bescherung: Die Kantaten 1, 4, 5 und 6 des Weihnachtsoratoriums standen auf dem Programm, als Thomas Hengelbrock, der Chor des Bayerischen Rundfunks und das BR-Symphonie-Orchester in den Münchner Herkulessaal einluden. Beglückt wurde das Publikum an diesem Abend vor allem vom phänomenalen Chor, dem Hengelbrock sich mit besonderer Freude und geradezu liebevoll zuwandte. Vorbereitet hatte den BR-Chor auch diesmal wieder Chordirektor Michael Gläser. "Sein" Chor ist ein Ausnahme-Ensemble, auf das der BR stolz sein kann.

<P class=MsoNormal>Hohe Klangkultur</P><P class=MsoNormal>Die hohe Professionalität der BR-Sänger wurde diesmal besonders herausgestellt und gewürdigt, da bis auf den Evangelisten alle solistischen Partien aus dem Chor heraus besetzt und respektabel gemeistert wurden. Musikalität und Stilgefühl vereinen sich beim BR-Chor mit einer hohen Klangkultur - genussvoll festzumachen am runden, nie spitzen Sopranklang, am homogenen Bild, das der Tenor bot, an den soliden Alt- und Bass-Fundamenten. </P><P class=MsoNormal>Hengelbrock reizte diese Qualitäten aus: Er hielt die Stimmen in feiner Balance, setzte auf flüssige Tempi, auf ein stetes Fortschreiten auch in den Chorälen. Mit zuweilen fast federndem Rhythmus erreichte er in den Chören eine Lebendigkeit ("Jauchzet, frohlocket") und eine Schwerelosigkeit, die im wunderbaren "Ehre sei dir, Gott, gesungen" gipfelte. Sensibel abgestimmt parierte das Sopran-Quartett dem jungen, schlanken Bass (Nr. 38, 40) vor und nach Bachs delikatem Echo-Spiel zwischen den beiden Sopranen und der Oboe in der Arie "Flößt mein Heiland". Der Chor und die Solisten - angeführt von James Taylor, der mit hellem, instrumentalem Tenorklang als Testo wie in den Arien stilsicher reüssierte - setzten Maßstäbe.</P><P class=MsoNormal>Sie galten leider nicht für das BR-Symphonieorchester. Vor allem die Streicher (abgesehen vom viel beschäftigten "General"-Bass) enttäuschten. Sie ließen sich selbst vom Harnoncourt-Schüler Hengelbrock nicht auf die Pfade der Alten Musik locken. Dass die strahlkräftigen Barocktrompeten den Schlussakkord verpatzten, irritierte weniger, als ihr schon im Eröffnungschor um eine Nuance zu präsenter Klang - bei allem Respekt vor der solistischen Virtuosität. Agil meldeten sich die Holzbläser zu Wort und gaben den Arien farbige Stütze.</P>

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