Ich bade mich in Strauss

- Nach ihren "Arabellas" an der Staatsoper hat sich Renée Fleming in München rar gemacht. Der letzte Besuch vor wenigen Wochen war sowieso nur eine Stippvisite: Da nahm die Star-Sopranistin im Gasteig den Echo-Klassik entgegen für Richard Strauss' "Daphne", die sie unter der Leitung von Semyon Bychkov eingespielt hat. Wenn die gefeierte amerikanische Sängerin am kommenden Mittwoch nach München zurückkehrt (Herkulessaal, 20 Uhr), hat sie einen Sack voller vertrauter "Leckereien" ­ von Mozart bis Lehár ­ und zwei Überraschungen dabei.

"Ich bin immer neugierig, und es macht mir großen Spaß, Raritäten zu entdecken und kennenzulernen", sagt Renée Fleming, die sich auch bei Recitals nicht nur auf ihren Strauss- oder Puccini-Lorbeeren ausruhen will. "Irgendwann begann mich das Konzert-Repertoire zu langweilen. Ich stöberte in Bibliotheken und in historischen Plattensammlungen herum und fand manche Schätze." Und dies bei Korngold, Massenet, Gounod, Smetana oder Tschaikowsky und Rimskij-Korsakow.

"Zum Glück kann man auf den qualitätvolleren Neuauflagen dieser Aufnahmen einiges über die damaligen Moden heraushören", begeistert sich Renée Fleming, die sich animiert von der Musik und von den großen Diven der Vergangenheit an die Arbeit machte.

"Rosenkavalier" mit Christian Thielemann

Auf ihrer jüngsten CD "Homage ­ The Adge of the Diva" wandelt sie nun auf den Spuren von Emmy Destinn, Mary Garden oder Maria Jeritza, den Stars des vergangenen Jahrhunderts. Smetanas "Dalibor" legte ihr eine tschechische Kollegin ans Herz und nannte die Oper "den ‚Fidelio’ unserer Kultur, aber ohne glückliches Ende". Über die Korngold-Schätze, Arien aus "Das Wunder der Heliane" oder "Die Kathrin", freut sich die Fleming besonders: "Als Korngold nach seiner Emigration aus Los Angeles nach Europa zurückkehrte, tat man seine Musik hier als altmodisch ab und sagte ihm: ‚Wir sind darüber hinweg’. Aber gerade dieser Gesangsstil zu Anfang des 20. Jahrhunderts gefällt mir und passt zu meiner Stimme. Besonders, wenn die Musik heller und nicht so dick instrumentiert ist, das schützt dann auch die Stimme."

Ob es sie nicht reizt, nach den Schmankerln auch die kompletten Opern zu singen? ",Dalibor’ wäre sicher okay, aber bei Korngold, der doch dicker orchestriert hat, bin ich nicht so sicher. Außerdem singe ich im Moment wenig Oper." Renée Fleming konzentriert sich derzeit stärker auf Konzerte, denn sie möchte so viel Zeit wie möglich mit ihren beiden Töchtern verbringen. Zudem reizt es sie, die Konzertpodien in China, Thailand, Kuala Lumpur oder Russland zu erobern.

Trotzdem, ein bisschen Oper muss sein: In Wien wartet Strauss‘ "Capriccio", in Zürich seine "Arabella" und in Baden-Baden der "Rosenkavalier" mit Christian Thielemann am Pult. Er dirigiert auch, wenn Renée Fleming im Frühjahr 2007 mit den Münchner Philharmonikern die "Vier letzten Lieder" singt.

Obwohl Strauss ihr Lieblingskomponist ist ("Ich bade mich in seiner Musik"), bleibt die Sängerin neugierig. "Ich war es immer, habe an der Met schon vor Jahren Händels ‚Rodelinda’ vorgestellt. Das Publikum in den USA ist zwar sehr konservativ, aber es mag trotzdem etwas Neues, wenn auch nicht Modernes hören." Die Fleming liebäugelt überdies ein bisschen mit Russischem: "Eine ‚Pique Dame’ würde ich gerne singen, aber es gibt so viele fantastische russische Sängerinnen, da braucht man mich für dieses Repertoire nicht."

Dennoch hat sie, zumindest auf CD, die auch in Russland kaum bekannte Servilia aus Rimskij-Korsakows gleichnamiger Oper zum Leben erweckt. Und wer weiß, was sie in Zukunft noch ausbuddeln wird…

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