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Taucher und Darsteller von „Piano Possibile“: Thomas Schmid auf dem Grund des Dantebads.

Baden gehen für die Kunst

München - Es ist eine Premiere im Münchner Dantebad: Das Ensemble "Piano Possibile" taucht ab. Die Musiker spielen unter Wasser. Neben der Eintrittskarte brauchen Zuschauer einen Taucheranzug.

Ohne Zweifel, einen Vorteil hat dieser Abend schon mal: Zur Abwechslung muss man sich keine Gedanken machen, ob man für die Theaterpremiere das richtige Outfit gewählt hat, oder womöglich doch ein wenig zu leger gekleidet ist. Beim neusten Streich des Ensembles Piano Possibile herrscht fürs Publikum nämlich Uniformzwang. Genauer: Taucheranzug-Zwang.

Denn mit „Unter Wasser“ schicken Klaus Schedl, Philipp Kolb und Cornel Franz ihre Darsteller und die Zuschauer auf den Grund des Dantebads im Münchner Westen. Bevor man sich dort in die Fluten stürzen darf, gilt es, noch schnell den ärztlichen Check sowie einen gut 20-minütigen Crashkurs im Tauchen zu absolvieren. Die anfangs förmlichen Unterhaltungen weichen spätestens beim Anlegen des Neoprens einem freundschaftlichen Du.

Den großen Moment, in dem sich die Plattform mit den Zuschauern dann langsam auf den Grund des Beckens absenkt, überstehen die meisten dank eines zuversichtlichen Nickens des Tauchpartners noch ganz gut. Wenn aber mit einem Schlag das Licht verlischt, und man eine gefühlte Ewigkeit völlig orientierungslos im pechschwarzen Wasser schwebt, rutscht das Herz doch eine Etage tiefer. Vor allem der ungeübte Tauch-Frischling, der eine knappe Stunde zuvor den ersten näheren Kontakt mit Pressluftflasche und Mundstück hatte, ist da noch ganz mit sich beschäftigt: Jetzt bloß gleichmäßig und ruhig atmen und versuchen, sich auf seinem Platz zu halten, um nicht davonzutreiben! Der Konzentration auf das Bühnengeschehen ist das nicht immer zuträglich.

Und so rauschen die an den Beckenrand projizierten Bilder so schnell vorbei wie die amüsante Klangcollage, die zwischen Cha-Cha-Cha, U-Boot und Walgesängen changiert, aber oft und durchaus beabsichtigt in geräuschvoll aufsteigenden Luftblasen untergeht. Doch es geht hier nicht um intellektuellen Musikgenuss, der nur eine halbe Stunde dauert. Es ist das gemeinschaftliche Erlebnis und der Humor, den dieser dreistündige Event trotz der eigentlich ernsten Gefängnis-Thematik ausstrahlt. Ob das aber wirklich den Aufwand rechtfertigt, sei dahingestellt. Sicher ist, dass die Macher mit „Unter Wasser“ derzeit wohl den ungewöhnlichsten Theaterabend Münchens im Angebot haben.

von Tobias Hell

Nächste Vorstellungen

am 16. 6. sowie am 18., 19. und 20. Juni. Anmeldung unter 0176/ 36 14 76 40.

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