Der mit dem Bären tanzt

- Viel Unbekanntes aus Ungarn stand auf dem Programm, als das Danubia Jugend Sinfonieorchester im Münchner Gasteig zu Gast war bei der dritten Europamusicale, die heuer die zehn neuen EU-Länder vorstellt. Im erst 1993 vom jungen Domonkos Heja gegründeten Orchester spielen durchwegs Absolventen der Budapester Franz-Liszt-Akademie, darunter erstaunlich viele Frauen. Das jugendliche (Durchschnittsalter: 24 Jahre) Ensemble ist hoch motiviert, verfügt über ein ausgezeichnetes spieltechnisches Rüstzeug und einen gut gemischten, warmen Klang.

Rund um Liszts wohlbekanntes Klavierkonzert Nr. 1, in dem der 27-jährige Tihamer Hlavacsek die klanglichen Extreme ebenso kraftvoll wie zart auslotete, gruppierte der Dirigent Unbekanntes - sogar von Bartók. Unter dem Titel "Bilder aus Ungarn" hat der Komponist 1931 auf ausdrücklichen Wunsch seines Verlages fünf Klavierstücke aus verschiedenen Zyklen zusammengefasst und gefällig und leicht spielbar orchestriert. Auch wenn sie nicht wie "echter" Bartók klingen, ließen die jungen Ungarn sehr stimmungsvolle (Abend am Lande, Üröger Hirtentanz) und plastische Bilder (Bärentanz) entstehen. Neue Musik aus dem Ungarland präsentierten der temperamentvoll agierende Heja und sein Orchester mit Levente Gyöngyösis "Verkündigung". Fünf sinfonische Bilder, inspiriert von Rilke-Gedichten, auf deren Vorlesen man durchaus hätte verzichten können. Zumal die Musik rein assoziativ - also sehr persönlich - und nicht illustrierend oder interpretierend auf die schwierigen Rilke-Texte reagiert.<BR><BR>Rilke hin oder her, der 29-jährige Komponist überzeugt durch sicheres Handwerk, eine gekonnte Instrumentation (mit lohengrin-nahen Streichern) und emotionalen Ausdruck. Unbefangen lehnt sich der junge Ungar an die Fünfzigerjahre an und trifft damit beim Publikum auf offene Ohren. Virtuos und mit weltmännischer Eleganz kamen die "Symphonischen Minuten" von Ernö von Dohnanyi daher, vom Danubia Orchester und Heja entsprechend realisiert. Zuweilen streifen die raffiniert instrumentierten Stücke die Filmmusik, klingen sie noch bei starker Rhythmisierung süffig. Darauf setzten die Gäste aus Ungarn eine furios gespielte Zugabe: Brahms Ungarischen Tanz Nr. 5 - als tönenden Beweis für beste deutsch-ungarische Beziehungen.<BR>

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