Ein Ballett für die Königin

- Hans van Manen, der holländische Neoklassik-Meister, gehört zu der kleinen Elite, deren Ballette auf der ganzen Welt getanzt werden - worüber er sich offen freut: Er war zwar in den vergangenen 45 Jahren wechselweise dem 1959 von ihm mitbegründeten Nederlands Dans Theater (NDT) und dem Holländischen Nationalballett (HNB) verbunden als Hauschoreograph, seinen künstlerischen Freiraum hat er sich jedoch nie beschneiden lassen.

<P>Das Bayerische Staatsballett ehrt ihn jetzt mit einem "Porträt Hans van Manen": zu "Fünf Tangos", "Solo" und "Black Cake" neu hinzugekommen "Two" von 1990 und "The old Man and Me" von 1996, das in der Premiere am Montag im Nationaltheater, besondere Überraschung, Judith Turos mit Ballettchef Ivan Liska tanzen wird.<BR><BR>Überraschung mit Judith Turos und Ivan Liska</P><P>"Ja, die beiden waren über meinen Besetzungswunsch erstaunt", berichtet Hans van Manen. "Kreiert habe ich diesen Pas de deux ja für Sabine Kupferberg, die um die 40 war, und Gé´rard Lemaitre mit seinen damals 60. Er war es übrigens, der diese Idee zu dem Senior NDT 3 hatte. Technisch sind diese älteren Tänzer immer noch begabt. Aber was sie emotionell ausdrücken können . . . Sie wissen so viel mehr als jüngere Tänzer - und das genau habe ich gebraucht."<BR><BR>Aus der Musik-Collage, dem titelgebenden John-Cale-Song "The old Man and Me", Strawinskys Zirkuspolka und dem Adagio aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 23, hat van Manen dieses Adagio wegen seiner "bestimmten Dramatik" gleich noch einmal vertanzt, zu gewichtigem Anlass: "Am 29. April wird bei uns das 25-jährige Kronjubiläum von Königin Beatrix gefeiert. Und ich fühle mich sehr geehrt, dass sie mich um einen Pas de deux gebeten hat. Unsere Königin liebt das Ballett."<BR><BR>Van Manen lässt nicht aus, darauf zu verweisen, dass der Tanz immer noch nicht seinem Wert entsprechend anerkannt ist. "Es ist doch der Tanz von Pina Bausch, Hans Kresnik, William Forsythe und, und, der überall hineingewirkt hat, Dinge verändert hat: im Schauspiel, in der Oper." Und zum Thema "Pas de deux": "Bis jetzt habe ich wohl 14 Pas de deux geschaffen: ,Two nenne ich aber eher ein Ballett für zwei Tänzer. Bei Pas de deux denkt man immer an ,Dornröschen oder ,Nussknacker. Es ist ein Stück über einen Abschied, denn Ferruccio Busonis ,Berceuse é´lé´giaque, die ich dafür benutzt habe, hat der Komponist für seine verstorbene Mutter komponiert."<BR><BR>Wie komponiert der Choreograph? Van Manen: "Früher hatte man zum Choreographieren mehr Zeit. Heute muss immer alles immer schnell gehen. Da bietet sich der Pas de deux an. Ich denke aber nicht in Schritten, sondern wie das Stück anfängt und wie es aufhört. Der Verlauf ist wichtig. Der Rest, die Schritte kommen dann bei der Arbeit mit den Tänzern."<BR><BR>Die Karriere als Fotograf beendet</P><P>Beide Neu-Erwerbe sind ausgestattet von Keso Dekker, ein Künstler, dessen Zweite-Haut-Trikots viele zur Nachahmung inspiriert haben: "Ich arbeite schon 20 Jahre mit ihm. Er will immer ,unsichtbar sein. Das wollen alle, auch Jean Paul Vroom (von ihm Bühne/ Kostüme für "Fünf Tangos"). Sie sind natürlich nicht ,unsichtbar, aber sie geben mir immer den ganzen Raum. Ich war jetzt fünf Tage in Groningen beim Diaghilew-Festival. Und da sieht man all diese Dekors und Kostüme von Matisse, Picasso, Benois und Bakst. Sie haben die Idee damals total geändert, wie das Theater aussehen muss. Doch Maler sind meist keine guten Bühnenbildner. Man sieht immer den Maler auf der Bühne - Vergrößerungen ihrer Gemälde. Wenn man von einem Maler begeistert ist, kann man das ein-, zweimal sehen. Aber Keso Dekker hat über 100 Stücke ausgestattet, die alle total verschieden sind."<BR><BR>Und was macht der auch sehr erfolgreiche Fotograf van Manen? "Der hat aufgehört. Ich habe alle meine Fotografien eingepackt. Zweimal in der Woche ganztags im Labor stehen, ständig große Ausstellungen machen und choreographieren - das ging nicht mehr. Ich habe mich entschieden für meine große Liebe - den Tanz."<BR></P><P> </P>

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