Ballett-Märchen

- Wo geht die ganze Familie samt Zwergerl-Nachwuchs in der Weihnachtszeit hin? In ein Ballettmärchen. Und da kann von morgen das Münchner Deutsche Theater mit einer Uraufführung aufwarten: "Der verzauberte Schwan" nach Alexander Puschkins Märchen vom Zaren Saltan (1831). Rimski-Korsakow hat 1900 seine gleichnamige Oper komponiert. Die Idee zum Ballett hatte ein hierorts bestens bekanntes Tänzer-Ehepaar: Kirill Melnikov und Yelena Pankova, er immer noch Erster Staatsballett-Solist. "Ich wollte schon lange ein Ballett für Kinder auf die Bühne bringen. Es gibt zu wenige", sagt Melnikov, der sich mit Kindern auskennt. Zuhause kocht er für seinen elfjährigen Sohn, wenn die Mama gastiert. Und in der Ballettakademie/Bosl-Stiftung, wo er für das Fach "Pas de deux" Professor ist, wuselt es in allen Altersstufen.

<P>Ein Märchen sollte es sein, "aber auch für Erwachsene . . . mit russischer Seele und russischer Kultur". Puschkins "Zar Saltan" lieferte Melnikov, ein "interessantes Thema" und zugleich die Hauptrollen für seine Frau und sich: Der verzauberte Schwan hilft dem als Kind ausgesetzten Zarensohn, seinen Vater wiederzufinden. Durch Jung-Zar Gwidons Liebe kann der Schwan sich zurückverwandeln in eine Jungfrau. "Dann ist Hochzeit und Gelegenheit für viele schöne Divertissements", lacht Melnikov, immer zu einem Scherz aufgelegt.</P><P>Sehr ernsthaft allerdings hat er sich in die für ihn ganz neue Aufgabe des Produzenten geworfen. Erzählt von Freunden, die ihm bei der Finanzierung geholfen haben, von den Um- und Irrwegen bei der Beschaffung der vielen Visa, vom Pendelverkehr nach St. Petersburg, wo geprobt wurde. Für sein Projekt konnte er das Klassische Ballett St. Petersburg gewinnen und vom dortigen Konservatorium das Ensemble Art Contrast. "Es sind junge Musiker, die sogar klassische Musik, von Haydn bis Schnittke, auf traditionellen russischen Instrumenten spielen. Die haben unsere Musik arrangiert für Akkordeon, Balalaika, Bass-Balalaika und Domra (aus dem 16. Jahrhundert, Zupfinstrument, Anm. d. Red.). Ich hätte nicht geglaubt, dass es bei unserer Collage funktioniert. Aber es klingt fantastisch."</P><P>Es gibt Ausschnitte aus Rimski-Korsakows "Zar Saltan", aber auch aus seiner "Mainacht", "Mlada", "Sadko" und anderen Werken. "Wenn der Schwan und ich getrennt sind. Wenn wir zusammenkommen, sind es Musiken von Mussorgski", Melnikov wieder scherzend. Sofort ergänzt der Choreograph und Tänzer Dmitri Katunin: "Dem Charakter des Schwans entspricht Tschaikowsky am besten. Also haben wir sein Violinkonzert D-Dur für Yelena gewählt." Pankova selbst: "Es ist aber überhaupt kein ,Schwanensee von der Bewegung her.</P><P>Außerdem sind in diesem Ballett alle Personen wichtig." Und im Stimmengewirr schließlich noch Julia Bouriakova, studierte Ballett-Wissenschaftlerin: "Puschkins personenreiches Märchen ist sehr kompliziert. Wir mussten verändern und vereinfachen."</P><P>100 Stunden hätten sie über Musik und Dramaturgie gestritten. Offensichtlich in vertrauter Weise. Pankova und Melnikov verliebten sich bereits in ihrer Solisten-Zeit im illustren St. Petersburger Kirow-Ensemble. Er, Katunin und Bouriakova waren zehn Jahre zusammen auf der St. Petersburger Waganowa-Ballettakademie. Und wie haben sie sich jetzt wiedergefunden? "Wir haben uns nie verloren", Bouriakova mit sanftem Ballerinen-Blick. Rundum also - ein echt russisches Märchen.</P><P>Karten 089/ 54 81 81 81</P>

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