Bandscheiben-Vorfall

- Ein Mann sieht schwarz. "Eine Dauerwurst kaufen - lohnt sich das noch?", fragt (sich) Thomas Reis aus gegebenem Anlass bang, denn womöglich ist seine Zeit schon um. "Gibt's ein Leben über 40?" Kommt darauf an, wie man "Leben" definiert: "Es fällt nichts mehr vor - außer den Bandscheiben". Und wenn der Kabarettist auch grübelt und greint, jammert und juxt, sein aktuelles Programm, zu sehen in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, ist jedenfalls ganz schön lebendig.

<P>Bürgerlich beige der (Cord-)Anzug zum schulterlangen Haar des Ex-Revoluzzers, heruntergezogen die Mundwinkel, doch Reis klingt kein bisschen larmoyant. Mit Lakonie und trockenem, schwarzem Humor redet er sich die Midlife Crisis seiner Generation von der Seele (Regie: Joe Knipp). Eine imaginäre Geburtstagsfeier ist der Schauplatz, hier treffen sich die Desillusionierten seines Jahrgangs, die "Paare, die zusammen alt werden wollten, nur nicht so früh", und die "schwer vermittelbaren Langzeitbeziehungslosen".<BR><BR>Alter(n) - wahrlich kein neues Thema, doch dem 40-Jährigen fällt noch eine Menge dazu ein. Seine durch Dialekte veredelten Szenen und "Dialoge" haben fast literarische Qualität, kurze Charakterisierungen wechseln sich ab mit längeren Episoden, neben agilen Senioren, altklugen Jugendlichen und den mehr oder weniger neurotischen Vertretern der eigenen Generation kommt auch ein Schoßhund namens Purzel vor, der sich jäher Freiheit erfreut. Wenn das mal keine Metapher in eigener Sache ist.<BR><BR>Doch Thomas Reis bleibt nicht nur privat, und auch seine Hiebe gegen die Politik sitzen. Wäre da nur nicht eine gewisse Sammelwut, die dazu führt, dass sich die sprachlichen Schätze mitunter gegenseitig neutralisieren. Ein Pointen-"Messie". Kommt vor jenseits der 40.</P><P>Bis 12. Juni, Tel.: 089/ 39 19 97.<BR></P><P> </P>

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