Bankett für Udo Kier

- Nein, es ist nicht Marilyn Monroe, die sich für die Münchner Open Art im Wasser räkelt, den Sonnenschirm keck hält, mit dem Hund spielt, sich lasziv beugt oder verführerisch in die Kamera schaut. Es ist Elisabeth Lukesch, ehemalige Sportlehrerin, jetzt Biobäuerin mit starkem Hang zum Unkonventionellen, die in der Galerie Christa Burger ihre Ausstrahlung versprüht. Dass sie früher als Model jobbte, sieht man ihr an. Wäre da nicht der üppige und nicht mehr ganz taufrische Körper einer 42-Jährigen, man könnte glauben, es sei Marilyn.

<P>Elisabeth Lukesch hat sich die Bilder für eine Hinterfragung von Teenie-Idolen, Schönheit und Alter ausgesucht. Und die Fotografin Tina Bara hat daraus eine Analyse von Frauenrollen gemacht. Seit Jahren schon arbeitet die Berliner Künstlerin mit weiblichen Erwartungen und Klischees. Jetzt ist sie in die Rolle der männlichen Schönheitsfotografen geschlüpft und hat perfekt nachinszeniert.</P><P>Tanzende Spinne und magisches Licht</P><P>Doch so einfach funktioniert das natürlich nicht. Immer mehr wird aus den Monroe-Imitationen ein Bild von Elisabeth. Die Überlagerung von Biografien, von Zeiten und Lebensumständen wird auch im Video zum Thema. Und die neue Marilyn füttert im Goldkleid ihr Federvieh (Bis 31.10., Theresienstr. 19, Tel. 089/ 28 99 65 50).</P><P>Drei Jahre hat die Galerie Grimm Rosenfeld auf die Ausstellung von Matt Saunders gewartet. Der amerikanische Wahl-Berliner ist begehrt: Auch das Museum of Modern Art in New York reißt sich um ihn. Jetzt lädt er in München zum Bankett. Die Installation der Riesengemälde setzt den Betrachter in den Mittelpunkt. Ringsherum illustre Gäste aus Fassbinders Film "Martha", teils ersetzt durch andere Charaktere. Sie alle wenden sich zu dem einen, der nicht da ist: Udo Kier. Diese Hommage an den Schauspieler ist vor allem eine Bild-Umsetzung der Bühne und der Illusion des Films.</P><P>Saunders bearbeitet das transparente Pergaminpapier von beiden Seiten mit Ölfarbe. Es entstehen dadurch seltsam weiche, nebulöse, schimmernde Bilder, unterbrochen von leuchtenden Akzenten. Ein festliches, mystisches Bild, ein Gleichnis für den Film und eine ganz neue Entdeckung der alten Prunkmalerei (Theresienstr. 56, bis 22.10., Tel. 089/38 85 92 40).</P><P>Die Galerie Marie-José van de Loo wird beherrscht von einem Mittelding aus Spinne und Krake. Der ballonartige Körper spannt seine langen Arme durch die Räume. Wenn die Spinne tanzt, hat sich Julia Bornefeld in ihr Wesen eingeschlichen. Die Kieler Künstlerin arbeitet seit Jahren an diesen seltsamen Objektwesen, die sich in ihrer auf Eisenkonstruktionen aufgezogenen Luftigkeit zu ganz eigenen, fast möchte man sagen: lebenden Skulpturen entwickeln. Zu den schwebenden Meeresbewohnern und zarten Flugobjekten passt der dünne Stoff bestens.</P><P>Früher war alles schwarz, jetzt hat Bornefeld in Neapel einen hautfarbenen Unterrockstoff entdeckt. Nicht zuletzt dadurch erhalten die weichen, durchaus femininen Formen etwas Schlüpfriges. Aktion wird nicht in Performances, sondern in Fotos festgehalten: Hier geht es ums Ausbreiten und Verstecken, um das Sichöffnen und Verschließen. Die Funktionsweisen von Insekten und Quallen werden in ihre Urformen umgesetzt. Sie ergänzen sich in den reliefartigen Malereien, die ebenso eigenständig wie die Installationen sind, frappierend mit den Insignien der Weiblichkeit (Maximilianstr. 29, bis 11.10., Tel. 089/ 22 62 70).</P><P>Die Galerie Thomas strahlt im magischen Licht. Helene B. Grossmann hat die Räume mit ihren ungreifbaren, wolkenartigen Reflexionen über die Helligkeit in ausgewogenen Quadraten gestaltet. Seit zwölf Jahren setzt sie sich mit dem Phänomen Licht auseinander, legt alle drei Tage abstrakte Farbskizzen zu Erlebnissen und Momenten an, die sie dann verarbeitet. Daraus werden tiefschichtige, aus sich heraus leuchtende Bilder, die der Schwerkraft enthoben scheinen.</P><P>Es kann das Feuer eines Rubins sein, es kann gelb oder grünlich leuchtende Landschaft sein, es kann die blaue Weite ihrer Heimat am Starnberger See sein: Hauchzarte Übergänge, in Acryl mit grobem Pinsel gemeistert, wiederholen sich einerseits, ergeben aber am Ende doch wieder neue Licht- und Energiequellen. Essenz der Künstlerin: "Ich möchte positiv sein in einer Zeit von viel negativem Denken." (Maximilianstr. 25, bis 9.10., Tel. 089/ 290 00 80.)<BR><BR></P>

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