Barack Obama auf dem deutschen Buchmarkt

Barack Obama wird am Dienstag als Präsident der USA vereidigt. Viele Bücher über den Demokraten und zwei von ihm sind in Deutschland erschienen. Welche Titel sind gut? Und wer will nur von der Obama-Begeisterung profitieren? Eine Übersicht.

Dass er ins Weiße Haus einziehen würde, war 1995 noch nicht einmal "ein amerikanischer Traum". Unter diesem Titel hat Barack Obama damals seine Familiengeschichte veröffentlicht. Vorausgegangen war die Ernennung zum ersten schwarzen Chef der "Harvard Law Review", einer wichtigen juristischen Fachzeitschrift in den USA. Er wollte, gibt er im Vorwort zu, eigentlich eine theoretisch-juristische Auseinandersetzung mit der Rassenfrage schreiben. Das wurde dieses Buch dann doch nicht. Zum Glück. Denn jetzt hat der Leser die Möglichkeit, Obamas Geschichte kennenzulernen - ohne dass das Manuskript von Beratern geglättet worden wäre.

Er erzählt persönlich, schreibt spannend, leicht und manchmal pathetisch. Seine Geschichte unterteilt er in die Kindheit, die er vor allem auf Hawaii und in Indonesien verbrachte, in eine erste Zeit in Chicago, wo er sich in sozial schwachen Stadtvierteln engagierte, und in seine erste Reise nach Kenia, wo er die Familie seines Vaters besuchte. Die Frage nach der eigenen Identität durchzieht das Buch. Obama nutzt Persönliches, um Grundsätzliches zu durchdenken: Chancengleichheit, Macht und Missbrauch, die Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft. Bei der Lektüre wird auch klar, dass Obama lange selbst auf der Suche gewesen sein muss, um zu wissen, wie er sich positionieren will. Hier beschönigt er diese Phase nicht: Hasch, Alkohol, "manchmal Kokain, wenn man das entsprechende Geld hatte", habe er damals konsumiert. Er schreibt dabei mit einer Offenheit, die nie kokett oder mitleidheischend ist. Und das ist selten bei Büchern von Mächtigen. leic

"Hoffnung wagen" von Barack Obama zu lesen ist ein wenig, wie seinen Reden zu lauschen: Man lässt sich derart mitreißen von der Eleganz der Argumente, dass es beinahe nicht auffällt, wenn Obama eine andere Meinung vertritt als man selbst. Hier beschreibt der künftige Präsident nichts weniger als seine Vision einer besseren Politik in den USA. Im Zentrum steht die Hoffnung auf einen Neuanfang: Amerika muss den Ballast der zermürbenden Grabenkämpfe zwischen links und rechts, zwischen Demokraten und Republikanern abwerfen und sich auf das besinnen, was im Grunde allen Bürgern gemein ist - ihre Werte und Ziele im Leben. Kein außergewöhnlicher Gedanke, aber Obama gelingt es, ihn in eine geschmeidige, überparteiliche Sprache zu kleiden und daraus eine Fülle von Überzeugungen abzuleiten: über Wirtschaft, Familie oder Gesundheitswesen. Ehrlich und selbstironisch garniert er den Diskurs mit seinen persönlichen Erfahrungen im Polit-Geschäft und mit Einblicken in sein Innerstes - etwa seinen Glauben. Dabei gelingt ihm tatsächlich etwas in der Politik Außergewöhnliches: Er bleibt durchgehend glaubwürdig.

jop


Noch rechtzeitig auf den lukrativen "Obama-Zug" aufspringen - das mag die Motivation Vieler gewesen sein, die in diesen Tagen Bücher über den Politstar veröffentlichen. Das Buch "Obama: Der Schwarze Visionär - Zeitenwende für die Weltpolitik?" erweckt besonders stark diesen Eindruck. Eilig zusammengeschustert wirkt das Werk von Norbert Rief und Thomas Hofer, zweier aus österreichischen Medien bekannten Journalisten.

Die Autoren schneiden eine Fülle von Themen an: von Obamas Wahlkampf über seine künftigen Herausforderungen als Präsident - einschließlich Finanzkrise, Nahostkonflikt und Afghanistan-Einsatz - bis hin zur Bedeutung der Religion in den USA. Dabei bleiben sie fast immer an der Oberfläche. Wer die Nachrichten aufmerksam verfolgt, dürfte sich bei der Lektüre dieses Buchs krass unterfordert fühlen.

Bisweilen entgleiten den beiden Autoren Pauschalisierungen (Präsident George W. Bush habe seine politischen Entscheidungen "nie hinterfragt") und Binsenweisheiten ("Viele der Probleme im Nahen Osten hängen direkt und indirekt mit Israel zusammen.").

Und unter all den Themen, über die das Buch hinweghechelt, kommt eines viel zu kurz: Obama selbst. Die Journalisten widmen ihm nur ein schmählich knappes biografisches Kapitel und bleiben somit weit davon entfernt, einen tieferen Einblick in die Persönlichkeit Barack Obamas zu gewähren.

jop


Das wohl beste deutschsprachige Buch über Obama hat Christoph von Marschall geschrieben. Der Washington-Korrespondent des Berliner "Tagesspiegels" heftete sich bereits an die Fersen des Afroamerikaners, als der Rest Deutschlands noch glaubte, die USA würden mit Hillary Clinton erstmals eine Präsidentin bekommen. Deswegen kam der Journalist dem Politiker näher als andere ausländischen Biografen. Er recherchierte zudem in Chicago, wo der künftige Präsident seine Karriere begann.

So entstand ein flott geschriebenes Buch, dessen eigentliche Stärke jedoch die Analyse ist. Bereits in der ersten Auflage wies von Marschall auf zahlreiche Punkte in Obamas Vita hin, die im Wahlkampf tatsächlich Thema wurden - etwa das Verhältnis zu dem umstrittenen Pfarrer Jeremiah Wright. War die erste Ausgabe noch stark auf den Wahlkampf ausgerichtet (unter anderem mit einer Kurzvorstellung aller demokratischen Kandidaten), hat von Marschall das Buch nun komplett überarbeitet. Es erscheint in diesen Tagen. Die Faszination, die Obama auf den Autor ausübt, ist noch immer nicht zu überlesen, was auch der Untertitel "Der schwarze Kennedy" zeigt. Von Marschall darf für sich in Anspruch nehmen, als Erster in Deutschland diesen Vergleich gebraucht zu haben. Zahllose Kommentatoren haben ihn inzwischen übernommen. mik

Der Untertitel sagt alles: Dieser Band dreht sich um Fotografien des Politikers - beim Wahlkampf, in der Familie. Und obwohl Obama zu den am meisten abgelichteten Personen des vergangenen Jahres zählt, können diese Aufnahmen hier immer noch überraschen.

leic

Weitere Angaben:

  • Barack Obama: "Ein amerikanischer Traum". Hanser, 443 Seiten; 24,90 Euro.
  • Barack Obama: "Hoffnung wagen". Riemann, 480 Seiten; 14,95 Euro.
  • Norbert Rief/Thomas Hofer: "Obama: Der schwarze Visionär". Molden, 279 Seiten; 24,95 Euro.
  • Christoph von Marschall: "Barack Obama". Füssli, 222 Seiten; 22 Euro.
  • Callie Shell: "Yes, we can - Bilder einer Persönlichkeit". Knesebeck, 96 S.; 19,95 Euro.

Mike Schier, Johannes Patzig, Michael Schleicher

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