Barenboim und Mussbach für "Doktor Faust" an der Staatsoper gefeiert

- Berlin - Nach zwei heftig ausgebuhten Premieren an Berlins Opernhäusern hat die Staatsoper Unter den Linden mit Ferruccio Busonis "Doktor Faust" wieder einen unumstrittenen Publikumserfolg. Der Beifall galt vor allem Dirigent Daniel Barenboim, seinem Orchester und den Solisten.

Noch in der vergangenen Woche hatten Hans Neuenfels' Neuproduktion der "Zauberflöte" an der Komischen Oper und Lorenzo Fioronis Verdi-Inszenierung von "Simon Boccanegra" an der Deutschen Oper für großen Unmut gesorgt und die öffentliche Debatte über die künstlerische Zukunft der Berliner Musiktheater weiter angeheizt.

Der Regisseur und Staatsoper-Intendant Peter Mussbach hatte in den vergangenen Wochen immer wieder die dringende Renovierung der zum Teil baufälligen Staatsoper angemahnt und für eine Übernahme des Hauses durch den Bund plädiert. Zum Abschluss des Premierenabends zeigte sich Mussbach sichtlich erfreut über den Erfolg und holte beim Schlussapplaus auch die Bühnenarbeiter vor den Vorhang.

Mussbach siedelt das Werk als  an. Der nach Liebe und Erkenntnis gierende Faust (Roman Trekel) wandelt durch eine Landschaft von Planeten und Einöden. Es ist eine rastlose, vergebliche Suche, der selbst die Leidenschaft für die Herzogin von Parma (Carola Höhn) keinen Halt geben kann.

Der Pakt mit Mephistopheles (Jürgen Müller) erweist sich als schlechtes Geschäft. Der Grübler endet als gebrochener Mann, verschwindet am Ende in einer vom Schnee verwehten Landschaft. Im Wittenberger Gelehrten-Kollegium nimmt nun Fausts' Diener Wagner (Christoph Fischesser) seinen den Platz als "Rektor Magnificus" ein.

Busoni (1866-1924), der vor der Uraufführung 1925 der Oper starb und die sein Schüler Philipp Jarnach zu Ende komponierte, hat den Stoff als lose Sammlung von Bildern konzipiert. Bei seiner "Dichtung für Musik" verzichtete Busoni auf eine fortschreitende Handlung. In dem von Mussbach, Erich Wonder (Bühnenbild) und Andrea Schmidt-Futterer (Kostüme) geschaffenen Kosmos bilden Fausts Fantasien, auf großer Fläche im Hintergrund projiziert, die Klammern zwischen den Szenen.

Vor einem riesigen Auge oder unter dem Sternenhimmel wandeln Fantasiegestalten. Harlekine mit riesigen Spitzhüten streiten als Katholiken und Protestanten um die Wahrheit, japanische Kämpfer treten als Soldaten auf. Mussbach meidet jede Brücke zu Goethes Faust und begreift das Drama vor allem als Selbstreflektion Busonis, der ein Leben lang zwischen deutscher und italienischer Kultur hin- und hergerissen war. Nach Jahren der Wanderschaft zwischen Europa und Amerika stirbt Busoni 1924 in Berlin. Hier findet er auch seine letzte Ruhe.

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