Bauhaus-Jünger

- Arbeiten des Münchners Rupprecht Geiger (Jahrgang 1908) sind derzeit im Neuen Museum Weimar zu Gast. Unter dem Titel "Die Einheit von Raum und Zeit" bildet die Exposition den Auftakt einer Reihe von Kabinett-Ausstellungen mit Kunst seit den 60er-Jahren, die in der Tradition des Bauhauses steht.

In einem halbjährigen Turnus will die federführende Klassik Stiftung Weimar künstlerische Positionen vorstellen, die Ideen des Bauhauses aufnehmen. Mit der Ausstellungsreihe wird in Weimar im Übrigen eine Lücke geschlossen, die durch den Abzug der Sammlung Paul Maenz entstanden ist. Denn just in dem Raum, in dem die Klassiker der Moderne bis vor kurzem zu sehen waren, korrespondieren bis Ende Januar 2007 die großflächigen, farbintensiven Bilder Geigers mit drei Filigran-Plastiken von Norbert Kricke (1922-1984).

Kricke, einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, war wie Geiger Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Zu zeitgenössischen Tendenzen stellen beide eine eminent wichtige Mittlerposition dar. Im Neuen Museum sind Kricke-Skulpturen von 1975/ 76 zu sehen, mit denen er die reduzierte Formensprache der 50er-Jahre wieder aufnahm.

Bei der Auswahl der fünf gezeigten Werke Geigers wollte man mit möglichst wenigen Arbeiten eine möglichst repräsentative Ausstellung bieten. Die teilweise mit Geiger zusammen ausgesuchten Bilder aus den Jahren 1965 bis 2002 erfüllen denn auch jeweils mindestens eine der folgenden Bedingungen: Sie sind nicht rechtwinklig oder/ und entsprechen Geigers Maxime: "Die Farbe bestimmt die Form." Drei dieser Arbeiten wiederum sind in der "Farbe mit der größten Potenz und Ausstrahlung", wie es der Altmeister der Abstraktion einmal formulierte, gestaltet: Rot.

Bei ihr steht mehr denn je die Vorstellungskraft des Betrachters im Zentrum: Nicht die Abbildung ist von Bedeutung, sondern die reine Wirkung dieser bisweilen fast Augenschmerz auslösenden Farbe. "Um Farbe wirklich zu sehen, muss man die Augen schließen und an sie denken", hat der heute 98-jährige, nichtsdestotrotz weiterhin künstlerisch tätige Geiger einmal gesagt. Dass er diese Fähigkeit mindestens noch zwei Jahre beibehalten will, beweist seine optimistische Überzeugung, die Kurator Ernst-Gerhard Güse anlässlich der Bilderauswahl in Geigers Münchner Archiv den Gesprächen mit ihm entnommen hat: Er sei sich gewiss, seinen 100. Geburtstag mit einer großen Ausstellung zu erleben, ließ Rupprecht Geiger den Weimarer Museumschef wissen.

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