Bauklötze bei "musica viva"

- Wahrhaftig beim Wort nehmen konnte man das Motto "musica viva" beim jüngsten Konzert dieser Reihe im Münchner Herkulessaal. Galt es diesmal doch unter der anfeuernden Leitung von Peter Eötvös gleich zwei Werke zu erleben, die an diesem Abend frisch aus der Taufe gehoben wurden. Den Anfang machte dabei Werner Heiders Komposition "Architektur", deren einzelne Teile wie verschieden farbige Blauklötze jeweils über einen ganz eigenen Klangcharakter verfügten. Dass Heider sich auch im Jazz zuhause fühlt, wurde schon in den ersten Takten deutlich und verlieh dem Werk eine ganz besondere Note - mit zahlreichen verspielt wirkenden Solopassagen, die am Ende dennoch ein homogenes Ganzes ergaben.

Sportliches an zwei Flügeln

Anders die darauf folgenden Chor-Stücke von Martin Smolka, die ihre Spannung vor allem aus dem Wechsel zwischen klanglichen Extremen bezogen. Mal meditativ ruhig, in beinahe lautloser Stille beginnend, mal zu größter Intensität gesteigert und die Sänger in höchste Lagen führend. Wobei der glänzend präparierte Chor des BR erneut seine Vielseitigkeit unter Beweis stellte. Den stärksten Eindruck hinterließ jedoch die zweite Uraufführung des Abends, "CAP-KO", für die Eötvös nun in Doppelfunktion als Komponist und Interpret ans Pult des BR-Symphonieorchesters trat.

Einen mehr als nur ebenbürtigen Partner hatte er dabei in dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard, einem versierten Interpreten zeitgenössischer Musik, dessen ebenso an Beethoven und Liszt geschultes Spiel auch diesem neuen Werk eine Vitalität verlieh, die sich unmittelbar auf das Publikum übertrug. Wie Aimard hier geradezu sportlich zwischen zwei Flügeln (einer davon präpariert) hin- und herwechselte, bei aller Emphase jedoch stets auf einen weichen, nie aggressiven Klang bedacht blieb, war schlicht Staunen erregend. Lebendiger als in dieser Interpretation kann neue Musik kaum sein.

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