Wie viele Kinder hat ein BR-Musiker? Und spielen sie ein Instrument? Antworten darauf gibt das Spielzeitheft – mit ungewöhnlichen Grafiken.

Vorschau auf 2014/ 2015

BR-Orchester: Bausteine einer Liebesbeziehung

München - Mariss Jansons reanimiert die Konzertsaal-Debatte und präsentiert die neue Saison seines BR-Symphonieorchesters.

Gesund ist er immer noch nicht – auch wenn das neue Leiden dem Publikum zugute kommt. „Meine Krankheit heißt Bruckner“, sagt Mariss Jansons auf der Saison-Präsentation seines Orchesters und grinst. Einiges davon wird sich in der kommenden Spielzeit beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks niederschlagen. Auch wenn die wichtigste Nachricht fürs Ensemble ist: Die Liebesbeziehung wird fortgesetzt – Jansons widmet sich, nach seinem baldigen Rücktritt beim Amsterdamer Concertgebouw Orchestra, verstärkt dem Münchner Ensemble. Vor allem aber: Er will die Debatte um einen neuen Konzertsaal wiederbeleben.

Positive Signale aus der Politik will der Chefdirigent empfangen haben. „Ich glaube, jetzt sind gute Zeiten dafür“, sagt Jansons. Er betrachte den Saal als „Lebensprojekt“. Dass er den Standort Finanzgarten weiter favorisiert, daran lässt der 71-Jährige keinen Zweifel. Ebenso, dass er die Realisierung des Projekts nicht an künftige Vertragsverlängerungen knüpfen will. „Primadonnen-Capricen“ seien ihm fremd. Und doch gibt es eine indirekte Drohung: „Wenn der Saal nicht gebaut wird, habe ich verloren“, meint der Star. „Und was macht man, wenn man verloren hat? Der südkoreanische Ministerpräsident ist auch zurückgetreten, weil dort eine Fähre gekentert ist.“

Auch zur Debatte um BR Klassik fand Jansons kritische Worte. Dass der Sender künftig digital statt über UKW ausgestrahlt werden soll, sei „leider“ nicht seine Entscheidung gewesen. Er habe „große Sorge“ – und möchte nun „genaue Zahlen sehen“, die einen solchen Schritt untermauern. Da wird der Chef sogar etwas laut in der friedlichen Runde. Warum immer der Klassik etwas genommen werde, wenn Veränderungen und Einsparungen anstehen, könne er einfach nicht verstehen.

Immerhin: Mariss Jansons hat ab 2015 mehr Zeit auch für diese Diskussion. Zusätzliche Gastdirigate nach seinem Abschied aus Amsterdam schloss er aus. Eventuell, da wurde er vage, gebe es da das ein oder andere Opernprojekt. Vor allem aber nimmt er ein Wort in den Mund, das vorher schier unvorstellbar für ihn schien: Freizeit. „Was hast Du vom Leben gesehen?“, frage er sich. „Gesichter von Musikern und Partituren.“ Seit 48 Jahren dirigiere und studiere er, da müsse es also noch etwas anderes geben.

Doch vorerst steht eine prall gefüllte Münchner Spielzeit vor ihm. Mit einer konzertanten Aufführung von Tschaikowskys „Pique Dame“ zum Beispiel, mit Dvořáks „Stabat Mater“, Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ oder Bruckners Sechster. Höhepunkte der kommenden Saison beim BR sind noch ein konzertantes „Rheingold“ mit Simon Rattle oder Beethovens „Missa Solemnis“ mit Bernard Haitink. Die Star-Parade der Dirigenten lässt sich eigentlich kaum steigern: Herbert Blomstedt, Gustavo Dudamel, John Eliot Gardiner, Andris Nelsons oder Esa Pekka Salonen finden sich auf der Liste. Die Solistenriege ist mit Christian Gerhaher, Lang Lang, Krystian Zimerman oder Frank Peter Zimmermann ähnlich hochkarätig. Eine Asien-Reise führt das BR-Orchester im Herbst nach Südkorea, Japan und Taiwan. Eines nämlich brennt Jansons unter den Nägeln: „Ich bin nicht sicher, dass wir international die Position einnehmen, die wir auch verdient haben.“ Zuvor aber gibt es ein besonderes Auswärtsgastspiel. Erstmals fliegt Jansons mit den Münchnern in seine Geburtsstadt Riga. Schon oft gab es Nachfragen aus Lettland wegen eines möglichen Besuchs, jetzt endlich erfüllt sich dieser beiderseitige Wunsch – es dürfte ein hochemotionaler Abend werden.

Die Politik hat übrigens schon auf Jansons’ Wiederbelebung der Saal-Debatte reagiert. Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) beeilte sich am Dienstag zu versichern, dass ein solches Projekt „vertretbar und sinnvoll“ sei. Er habe deshalb eine Arbeitsgruppe wieder eingesetzt, die sich mit der Standortfrage beschäftigt, teilte er mit. Auf der Grundlage dieser Beschlüsse könnten dann „die politischen Weichen gestellt werden“. " kommentar, seite 2

Das Merkur-Konzertabo

beim BR-Symphonieorchester umfasst in der kommenden Saison fünf Konzerte. Der Aufruf dazu erfolgt im Juli, Bestellungen sind erst ab dann möglich.

Von Markus Thiel

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