Karlsruhe erlaubt G20-Protestcamp - aber stark eingeschränkt

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Bavarias Büstenhalter

- "Das ist ein sehr persönliches Konzept", erklärt die Münchner Sammlerin Ingvild Goetz ihre sechsteilige Ausstellungsreihe zur "erweiterten Malerei". Was sie so kampfeslustig gemacht hat, ist das aktuelle Geschwurbel um die angeblich neuen Höhenflüge der Malerei: "Es ist viel die Rede von ,Neoromantik und was es da sonst noch gibt." Dass Goetz gut verkäuflichen Szeneströmungen skeptisch gegenübersteht, betonte sie bereits vor einigen Jahren im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ganz immun ist aber auch die Sammlung Goetz nicht gegen Trends, daher nennt sich der Zyklus englisch aufgemascherlt "Imagination Becomes Reality" und Teil I "Expanded Paint Tools". Franz Ackermann, der diesjährige Biennale-Teilnehmer Thomas Scheibitz, Jörg Sasse und Tal R werden zu einem visuellen Gespräch herausgefordert, mit dem Ingvild Goetz beweist, dass Malerei auch ohne Sprechblasen-Unterstützung äußerst vital ist. All das reduziert sich stets auf die Frage der Qualität. Und für die hat die Sammlerin einen untrüglichen Sinn. Deswegen ist diese Präsentation wieder gelungen, zumal sie intelligent Bezüge herstellt. Chaostheoretiker

Tal R (1967 geboren, wohnhaft in Kopenhagen) ist ein Bastler, ein Änderungsschneider. Er hebt vieles auf, trennt auf, fügt es anders zusammen, schichtet Lage um Lage, malt, zeichnet, stückelt an, klebt darüber. Seine Bilder sind spröde Rinden um einen unsichtbaren Kern von Gedanken und Gefühlen. Dieses Außen macht neugierig und befördert das Schweifen der Ideen. Sind die großen Kugeln aus bunten Stoffresten mit ihren auslaufenden Lappen komische Quallen, angestochene Fußbälle, Überzieher für die Hauben der Frauenkirche oder Büstenhalter für die Bavaria? Ähnlich durchlässig für den Betrachter verhalten sich die Arbeiten von Scheibitz (1968 geboren, lebt in Berlin). Außerdem gehen sie wie die von Tal R aus der zweiten Dimension in die dritte, ohne das Malerische je aufzugeben.Scheibitz' Liebe zum skulptural Gebautem, die er parallel zur "Flachware" entwickelt, korrespondiert wiederum mit Franz Ackermanns (1963, Berlin/ Karlsruhe) farbprächtigem "Städtebau", den er sogleich in die Luft sprengt. Seine Bilder feiern opulent den Moment des Auseinanderreißens.Unter diesen drei präzisen Chaostheoretikern ist neben der Studioausstellung der Briefe an Ingvild Goetz - eine schön versponnene Aktion von Ken Brown - Jörg Sasse (1962, Düsseldorf) ein Ruhepol. Seine Fotografien zählt Goetz schlankweg zur Malerei, denn er "malt" die meist vorgefundenen Aufnahmen am Computer neu. Dabei gelingen zum Teil überraschend vielschichtige Bilder, die still, fast beiläufig scheinen. Vertikale, Reihung, Kontinuum haben es Sasse angetan: Lang streckt sich eine Lagerhalle, eintönige Zweckarchitektur auf dem Land. Und darüber schießt im bunten Lichterwirbel schräg in die Luft der Karussell-Kranz, haltlos, schwerelos.Die Gefährdung, die in vielen Werken der vier mitschwingt, formuliert Mathilde ter Heijne (1969, Berlin) in ihren Videos aus. Bis an die Grenze des Erträglichen. In "The Invisible Hero" er-leidet ein unsichtbarer, weggemalter Körper seine Leiblichkeit: Indem die (schwangere) Frau, die Künstlerin, sich immer wieder gegen die Mauern einer Zelle schleudert, entstehen/ werden sichtbar durch Blut und Wunden Körperteile - das alles zum angeblich heilsamen Gebrabbel einer Traumatherapie.

27.6.-24.9., Oberföhringer Str. 103, tel. Anmeldung 089/95 93 96 90, Katalog: 30 Euro.

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