Die bayerische Kabarettistin Martina Schwarzmann: Zu lustig für die freie Marktwirtschaft

München - Mit gerade mal 29 Jahren ist Martina Schwarzmann eine der erfolgreichsten Kabarettistinnen Deutschlands. Mit "Deafs a bissal mehra sei" feierte die Fürstenfeldbruckerin Triumphe. Morgen hat ihr neues Projekt "So schee kons Lebn sei" Premiere in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft (bis 16.2. und 19. bis 21. Februar).

Wie ist das Programm gestaltet?

Es ist eine Weiterentwicklung des letzten insofern, als es von den Texten her noch ausgefeilter und harmonischer ist. Aber es dreht sich natürlich wieder um den Wahnsinn des normalen Alltags.

Ist die Künstlerin dabei auch gereift?

Auf jeden Fall bin ich nicht vernünftiger geworden. Weiser vielleicht, aber nicht vernünftiger. Netter? ­ Naa, auch nicht. Vielleicht ansatzweise lieblicher.

Wie muss man sich eine liebliche Martina Schwarzmann vorstellen?

Ich habe ein Lied zum Thema Überalterung der Gesellschaft geschrieben, das heißt "Pimpern für den Frieden" ­ das ist immerhin schon mal lieblich.

Es gibt also immer noch genug Geschichten, die es wert sind, verwendet zu werden?

Ja! Dadurch, dass ich nun bekannter bin, erlebe ich Sachen, die ich vorher nicht erlebt habe. Bei "Ottis Schlachthof" wurde ich gefragt, was das Highlight des Jahres 2007 gewesen ist. Ich habe gesagt, für mich war der Spruch des Jahres der, den jemand unter eine Brücke in Aichach gesprüht hat: "Wer anderen eine Bratwurst brät, der braucht ein Bratwurstbratgerät". Letztens bin ich im Zug gesessen. Dann sind drei Geschäftsleute eingestiegen. Einer davon hat mich angeschaut und gesagt: "Sie sind doch die Lady mit dem Bratwurschtgerät." Er hat sich daran erinnert, mir das hergesagt und sich gefreut ­ "Super Spruch".

Hat es lange gedauert, bis das Programm fertig war und man damit auf die Bühne konnte?

Das Programm ist so lange nicht fertig, bis ich es wegschmeiß'. Aber ich schreibe ja andauernd; und von dem her schätze ich mal, dass ich mich ein Jahr oder so intensiver mit dem Gedanken beschäftigt habe, dass ich jetzt dann bald ein neues Programm brauche.

Hat man immer Lust zu schreiben?

Ich setz' mich nicht hin und nehme mir vor: Jetzt schreibe ich. Erst wenn ich ein Thema habe, schreibe ich. Ich bin keine Gag-Schreiberin. Ich erlebe Geschichten und versuche, sie lustig zu erzählen, damit alle verstehen, warum ich das so lustig finde.

Wie bereiten Sie sich vor?

Läuft man durch die Gegend und sagt zu jedem, "Mach mal was Lustiges"? Meine Vorbereitung ist das Schreiben der Lieder. Es gibt genug, was mich dazu inspiriert. Und zwar durch jede Art von Gefühlsregung ­ egal ob Ärger, Belustigung oder auch Freude.

Für welchen Zeitraum ist die Tournee geplant?

Wir werden dieses Jahr rund 150 Mal in Deutschland, Österreich und der Schweiz spielen. Letztes Jahr habe ich 215 Mal gespielt und dabei das neue Programm vorbereitet. Also habe ich ein recht entspanntes Jahr vor mir.

Haben Sie Vorbilder oder Idole?

Hans Söllner oder Fredl Fesl, würde ich sagen. Was anderes habe ich als Kind auch gar nicht gekannt. Dann später kam noch Willy Astor dazu.

Mit wem wäre es ein Traum, auf der Bühne zu stehen?

Da fällt mir jetzt auf Anhieb keiner ein. Ich bin eine Rampensau ­ ich steh' am liebsten alleine auf der Bühne. Dann brauch' ich nämlich auch mit keinem zu üben.

Wie kam der Titel des Abends zustande?

"So schee kons Lebn sei" ist ein Satz, der in unserem Hausgebrauch sehr oft vorkommt. In gewissen Situationen passt er einfach. Weil: Manchmal ist es halt schee.

Warum sind Sie Kabarettistin geworden?

Weil ich keine Lust zum Arbeiten hatte. Und vielleicht, weil ich zu lustig bin für die freie Marktwirtschaft. Es ist in vielen Berufen nicht so einfach, wenn man einen Humor hat wie meinen. Aber ich bin nicht krachert ­ eher ruhig. Kann sein, dass die Themen sehr laut rüberkommen ­ aber die Leut' lachen so laut. Ich hau' die lustigsten Sachen eher leise raus.

Wieso ist Ihr Mundart-Kabarett aus Bayern in ganz Deutschland erfolgreich?

Die Geschichten können im Ruhrgebiet genauso passieren wie in Hamburg oder auf einem bayerischen Dorf. Man kann sie von den Charakteren her doch überall hinprojizieren.

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