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Deutliche Worte zur Situation auf der Krim fand Generalmusikdirektor Kirill Petrenko (hier mit Intendant Nikolaus Bachler). Der gebürtige Russe hofft auf eine Lösung, die „die Souveränität der Ukraine nicht antastet“.

Neue Spielzeit

Oper: Was sich Petrenko & Co. vorgenommen haben

München - Was haben sich Kirill Petrenko und Co. für die neue Spielzeit an der Bayerischen Staatsoper vorgenommen? Am Donnerstag verriet der Dirigent, dass er mit zwei "Lu's" aufwarten will.

Irgendwann verbarg Kirill Petrenko sein Gesicht in den Händen. Vorher suchende Blicke vom Podium herunter, immer mal wieder ein verschmitztes, auch verschämtes Lächeln: Es waren wohl zu viele Lob-Girlanden, die der Intendant auf der Spielzeit-Vorstellung da flocht – und das ausgerechnet für einen, der seinen Platz ausschließlich am Pult sieht und sonst die Öffentlichkeit meidet. Aber es stimmt eben: „Die Bayerische Staatsoper ist im musikalischen Glück“, sagte Haus-Chef Nikolaus Bachler – auch im Bewusstsein, dass er schließlich dem Umschwärmten den Weg nach München bereitet hat.

Eine heiße Liebe ist da zwischen Opernfans und Orchester auf der einen und Generalmusikdirektor auf der anderen Seite entbrannt. „Vom Publikum getragen“ fühle er sich, sagte Petrenko, der mit zwei Premieren in der kommenden Saison aufwartet, mit zwei „Lu’s“, wie er meinte: Bergs „Lulu“ und Donizettis „Lucia di Lammermoor“. Letzteres ist eine Besonderheit. Belcanto, das hat man von Petrenko eigentlich nicht erwartet. Schon länger habe er vorgehabt, sich mit der Musik des frühen 19. Jahrhunderts zu beschäftigen, meinte der Dirigent. Außerdem habe noch etwas Ausschlag gegeben: Diana Damrau in der Titelpartie.

Die Bayerische Staatsoper in München.

Doch dann wurde es ernst. Befragt, ob er zur Situation in der Ukraine etwas sagen wollte, wurde Kirill Petrenko, der im sibirischen Omsk geboren wurde und dessen Vater aus dem ukrainischen Lemberg stammt, deutlich. Er sehe die Entwicklung mit großer Sorge. Es sei „alles andere als normal“, was dort passiere. „Ich hoffe auf eine politische Lösung, die die Souveränität der Ukraine nicht antastet.“

Nicht nur der neue Chefdirigent ist „schuld“ daran, dass die Auslastung der Bayerischen Staatsoper sich kaum mehr steigern lässt. Laut Nikolaus Bachler ist man „weitgehend überbucht“. Das Haus bleibt weiter auf seinem hochkulinarischen, kassenträchtigen Kurs und engagiert dafür begehrte Sänger, dies allerdings nicht nur für die Premieren. Im Repertoire-Alltag der Spielzeit 2014/15 setzt sich das fort: Anja Harteros singt die Tosca, sowie die beiden Leonoras in „Troubadour“ und „Forza del destino“, Joseph Calleja „Rigoletto“-Herzog und „Butterfly“-Pinkerton, Gerald Finley den „Figaro“-Grafen, Edita Gruberova die „Roberto“-Elisabetta, Waltraud Meier „Elektra“-Klytämnestra und sogar nochmals Isolde. Christian Gerhaher ist als Papageno und Orfeo dabei sowie mit einem dreiteiligen Lied-Zyklus. Wiederaufgenommen wird Wagners „Ring des Nibelungen“, erstmals dirigiert Petrenko die insgesamt 15 Abende. Neu sind hier unter anderem Evelyn Herlitzius und Petra Lang (Brünnhilde) sowie Thomas J. Mayer (Wotan/ Wanderer).

In Sachen Bayreuther „Ring“, der schwer an der Regie von Frank Castorf krankt, gab sich Petrenko überraschend bedeckt. Für fünf Jahre insgesamt, also bis 2017, ist diese Produktion eigentlich im Programm. Er wisse nicht, so der Dirigent, „ob das bei mir fünf Jahre aufgrund der Doppelbelastung werden“. Petrenkos Bayreuther Engagement verhindert weiterhin Auftritte bei den Münchner Opernfestspielen – die Festival-Premieren werden daher auf absehbare Zeit von Kollegen geleitet.

Während der Umschwärmte in dieser Spielzeit – abgesehen von seinen Engagements in Bayreuth und München – keine weiteren Auftritte im Terminkalender hat, ändert sich das in der kommenden Saison. Ein Programm bei den Berliner Philharmonikern und eine „Rosenkavalier“-Serie an der Wiener Staatsoper will sich Petrenko gestatten. Immerhin, so sagte er, sei er mit zwei Premieren und seiner Repertoiretätigkeit in München schon genügend ausgelastet: „Das ist doch allerhand!“

Markus Thiel

Und das sind die Premieren

  • Die Sache Makropulos von Janácek am 19.10.14 mit Tomás Hanus (Dirigent) und Àrpád Schilling (Regie). Titelrolle: Nadja ­Michael.
  • Manon Lescaut von Puccini am 15.11.14 mit Alain ­Altinoglu und Hans Neuenfels, Manon: Anna Netrebko, Des Grieux: Jonas Kaufmann.
  • Lucia di Lammermoor von Donizetti am 26.1.15 mit GMD Kirill Petrenko und Barbara Wysocks. Titelrolle: Diana Damrau. Edgardo: ­Pavol Breslik.
  • Lulu von Alban Berg am 25.5.15 mit Kirill Petrenko und Dmitri Tcherniakov. In der Titelrolle zu sehen: Marlis Petersen.
  • Pelléas et Mélisande am 28.6.15 mit Constantinos Carydis und Christiane Pohle, Titelrollen: Elliot Madore, Elena Tsallagova..

  • Arabella von Strauss am 6.7.15 mit Philippe Jordan und Andreas Dresen, Titelrolle: Anja Harteros, Mandryka: Thomas J. Mayer.

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