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Im November wird Kirill Petrenko seine erste Premiere an der Bayerischen Staatsoper feiern.

Kirill Petrenkos erste Saison

Bayerische Staatsoper vor einer neuen Ära

München - Im November wird Kirill Petrenko als neuer Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper seine erste Opernpremiere feiern. Er sieht "beste Voraussetzungen für seine Kunst".  

„Kaum erwarten“ könne er diesen Neustart. Und so, wie Kirill Petrenko dazu lächelt, weiß man: Der meint’s ernst. Zweieinhalb Jahre Vorbereitung und Planung liegen hinter dem Dirigenten. Seine erste Spielzeit als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper trägt unübersehbar den Stempel dieses Künstlers, der von manchen seit einiger Zeit als Wundermann aus Omsk umtanzt wird. Eine Wohnung in fußläufiger Entfernung zum Nationaltheater hat er bereits gefunden – allerdings noch nicht eingeräumt: Umzugskisten vor dem Schuhschrank hätten, so grinst Petrenko, beinahe eine ordentliche Fußbekleidung bei der Saison-Pressekonferenz verhindert.

Drei Premieren wird er in der kommenden Spielzeit dirigieren. Strauss’ „Frau ohne Schatten“ kommt dabei an einem historischen Datum heraus: Am 21. November 2013 vor 50 Jahren wurde das Nationaltheater mit eben diesem Werk nach dem Krieg wiedereröffnet. Darüber hinaus frönt Petrenko mit „La clemenza di Tito“ seiner Mozart-Leidenschaft, größter Brocken sind allerdings Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“. Petrenkos ironischer Kommentar: „Ich weiß gar nicht, wann man das alles lernen soll.“

Vorerst keine Dirigate des neuen GMD bei den Opernfestspielen

Aber auch im Repertoire wird der neue GMD aktiv. Petrenko übernimmt „Boris Godunow“, „Tosca“, „Eugen Onegin“ sowie den „Rosenkavalier“ und wird zwei Akademiekonzert-Programme dirigieren. Ein respektables Pensum, das wohl auch versöhnlich stimmen soll: In den kommenden fünf Jahren, wenn Petrenko während der Bayreuther Festspiele den dortigen „Ring des Nibelungen“ leitet, haben die Münchner das Nachsehen. Es gibt kein einziges Dirigat des musikalischen Chefs bei den hiesigen Opernfestspielen – ein Novum für die Bayerische Staatsoper. Bayreuth habe er vor München zugesagt, begründet Petrenko diese Situation. Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler meinte, alles sei nur „eine Frage der Verteilung“: Eben deshalb trete Petrenko während der normalen Spielzeit so häufig in München auf.

Und diese Saison hat es in sich. Rein von der Papierform her ist es wohl die stärkste der Ära Bachler. Was die Premierenmischung betrifft, die Werke vom Barock bis zum 20. Jahrhundert bietet. Aber auch in Sachen Sänger-Besetzungen. Einige Beispiele: Anna Netrebko wird sich erstmals an Verdis Lady Macbeth wagen, das Traum-Duo Anja Harteros/ Jonas Kaufmann ist mit „La forza del destino“ in einer weiteren Neuinszenierung zu erleben, Christian Gerhaher singt Monteverdis Orfeo, Michael Volle bekommt mit der Titelpartie von Rossinis „Guillaume Tell“ wieder einmal einen Premierenauftrag. Rolando Villazón, Diana Damrau, Edita Gruberova, Joseph Calleja, Krassimira Stoyanova sowie Elina Garan(c)a tauchen in der Gäste-Liste auf. Und Evgeny Nikitin, im vergangenen Jahr für eine angebliche Tattoo-Affäre in Bayreuth gefeuert, darf nun Wagners Holländer an der Isar singen.

Petrenko kündigte an, er werde in den kommenden Jahren auch den Münchner „Ring“ übernehmen. Sein Vorgänger und Noch-GMD Kent Nagano kehrt in der kommenden Saison als Gast zurück, dies für die Wiederaufnahme von Widmanns „Babylon“. Zu hundert Prozent sei die Uraufführungsserie ausgelastet gewesen, sagte Intendant Bachler. Überhaupt habe man 2012 eine Besucherquote von 97 Prozent erzielt – „die höchste in den letzten zwanzig Jahren“.

Nachkriegshistorie der Staatsoper wird untersucht

„Wie man wird, was man ist“, diese Worte aus Nietzsches „Ecce homo“ bilden 2013/14 das Saison-Motto. Verweisen sollen sie auf die wechselvolle Geschichte des Nationaltheaters. 50 Jahre nach der Nachkriegs-Wiedereröffnung, dieses Jubiläum wird am 17. November mit einem Festkonzert gefeiert, für das Nina Stemme, Jonas Kaufmann, Kirill Petrenko und Péter Esterházy als Redner aufgeboten werden (und für das es Gratis-Karten gibt).

Außerdem hat die Staatsoper an die Ludwig-Maximilians-Universität Forschungsaufträge vergeben. Diese sollen personelle Kontinuitäten nach dem Zweiten Weltkrieg untersuchen und eventuelle dunkle Flecken des Hauses beleuchten. Vorträge ergänzen das, zudem werden bildende Künstler damit beauftrag, die Porträtgalerie des Nationaltheaters weiterzuführen – mit Sängerpersönlichkeiten der vergangenen 50 Jahre.

Weitere Informationen: www.staatsoper.de.

Markus Thiel

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