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Tischlein deck dich: Intendant Nikolaus Bachler (re.) und Generalmusikdirektor Kirill Petrenko stehen, pardon: sitzen vor einer Saison voller Neuheiten.

Bayerische Staatsoper

Zu zweit am Südpol

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München - Acht Premieren, davon vier Münchner Erstaufführungen, bietet die Bayerische Staatsoper in der Spielzeit 2015/16.

Die Sache mit „South Pole“, mit der Uraufführung der Saison, versteht sich von selbst. Erstaunlich nur, wie viele andere Neuerungen ein Haus auf einmal riskiert, dem viele bloße Werk-Kulinarik vorwerfen. Acht Premieren bietet die Bayerische Staatsoper in der kommenden Spielzeit, vier Stücke davon wurden noch nie am Haus gespielt. Neben der Südpol-Expedition des 40-jährigen Tschechen Miroslav Srnka (die den Wettlauf von Robert Scott und Roald Amundsen thematisiert) sind das Boitos „Mefistofele“, Prokofjews „Der feurige Engel“ und Rameaus „Les Indes galantes“. Halévys „La Juive“ sei zwar früher hier oft gespielt worden, bemerkte Intendant Nikolaus Bachler bei der Saison-Präsentation trocken – „dafür aber seit 100 Jahren nicht mehr“.

„South Pole“ mit Rolando Villazón und Thomas Hampson bezeichnete Bachler als das „Zentrum des Spielplans“. Einen „sehr seriösen Eindruck“ mache Komponist Srnka auf ihn, formulierte es Kirill Petrenko unter dem Gelächter der Presse. Und „sehr unterschiedliche Dinge“ habe er sich vorgenommen, sagte der Generalmusikdirektor mit Blick auf sein Pensum. Es bleibt also dabei: Kein anderer Chefdirigent eines großen Hauses kniet sich derart in seine Aufgabe hinein. Neben „South Pole“ dirigiert Petrenko die neuen „Meistersinger“, dazu die Wiederaufnahmen von „Ariadne auf Naxos“, „Rosenkavalier“, „Walküre“, „Götterdämmerung“, „Tosca“ und von der „Fledermaus“. Für letztere Reanimation leistet man sich einen neu gestalteten zweiten Akt, von Leander Haußmanns einstiger Skandalregie dürfte also wenig übrig bleiben. Als neuer Frosch kommt Cornelius Obonya, Salzburgs Jedermann.

Wie eine – zwar erfreuliche – Pflichtübung brachte Bachler die Erfolgszahlen der Staatsoper hinter sich. 98,9 Prozent Auslastung im vergangenen Jahr bei der Opernsparte, bis zu 120 000 Internet-Kunden bei den auch künftig kostenlosen Live-Übertragungen, 466 Vorstellungen in der kommenden Saison – seinem Haus könne wahrlich nicht vorgeworfen werden, man betreibe ein teures Geschäft, schließlich leiste man dafür auch einiges. Im Übrigen: „Nirgendwo sind Steuergelder besser angelegt als im Theater.“

Auch im „normalen“ Saisongeschäft wartet die Staatsoper mit einigen bemerkenswerten Besetzungen auf. Rolando Villazón singt den Werther, bei „Tosca“ kommt es zum Superstar-Trio Anja Harteros, Jonas Kaufmann und Bryn Terfel, bei „Turandot“ zum Doppel Nina Stemme und Johan Botha und bei „Aida“ zum mindestens ebenso gefragten Gespann Krassimira Stoyanova/ Jonas Kaufmann. Harteros debütiert außerdem als Ariadne, Catherine Naglestad trifft als Senta auf den fliegenden Holländer alias Michael Volle. Petrenko interpretiert in einem Akademiekonzert Mahlers „Lied von der Erde“ mit Christian Gerhaher und Peter Seiffert. Und der Ex-Generalmusikdirektor Zubin Mehta kehrt für „Fidelio“ und „Un ballo in maschera“ zurück – dieser Verdi ist, kurz vor Mehtas 80. Geburtstag, sogar ein Stück-Debüt.

Dass Petrenko im kommenden Sommer beim Bayreuther „Ring“ letztmals im Graben sitzt und damit im Folgesommer München zur Verfügung steht, kommt der Staatsoper sehr zugute. Zwar springt keine Festspiel-Premiere heraus, dafür waren die Planungen wohl schon zu fortgeschritten. Aber immerhin sind für den traditionellen weißblauen Spielzeithöhepunkt eine stolze Reihe von Wiederaufnahme-Dirigaten angesetzt. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass es ab den Festspielen 2016 kein Bayreuth mehr gibt“, wie Nikolaus Bachler die Sachlage etwas schief umschrieb.

Die Premieren der kommenden Saison

„Mefistofele“ von Arrigo Boito am 24.10.2015 (Dirigent: Omer Meir Wellber, Regie: Roland Schwab) mit René Pape, Joseph Calleja und Kristine Opolais;

„Der feurige Engel“ von Sergej Prokofjew am 29.11.2015 (Vladimir Jurowski, Barrie Kosky) mit Evgeny Nikitin und Evelyn Herlitzius;

„South Pole“ von Miroslav Srnka, Uraufführung am 31.1.2016 (Kirill Petrenko, Hans Neuenfels) mit Rolando Villazón und Thomas Hampson;

„Un ballo in maschera“ von Giuseppe Verdi am 6.3.2016 (Zubin Metha, Johannes Erath) mit Piotr Beczala, Simon Keenlyside und Anja Harteros;

„Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner am 16.5.2016 (Kirill Petrenko, David Bösch) mit Wolfgang Koch, Johannes Martin Kränzle und Jonas Kaufmann;

„La Juive“  von Jacques Halévy am 26.6.2016 (Bertrand de Billy, Calixto Bieito) mit Kristine Opolais und Roberto Alagna;

„Les Indes galantes“ von Jean-Philippe Rameau am 24.7.2016 (Ivor Bolton, Sidi Larbi Cherkaoui) mit Anna Prohaska, Mathias Vidal und Lisette Oropesa.

Opernstudio:

„Albert Herring“ von Benjamin Britten am 5.4.2016 (Dirigentin: Oksana Lyniv).

Nähere Informationen

Zum genauen Spielplan und zum Vorverkauf unter www.staatsoper.de

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