Münchner Lichtkünstler verstorben

Münchner Lichtkünstler verstorben

Im bayerischen Olymp

- "Mich die Salvermoser Zenz`/ Ham`s zur Schönheitskonkurrenz/ Nach München aufig`schickt . . ." Mit der "Schönheitskönigin von Schneizlreuth" ist Bally Prell in den Olymp der bayerischen Volkssänger eingegangen. Mit ihrem zweischneidigen, sich selbst und die Zuhörer treffenden, andererseits naiv herzanrührenden Auftritt debütierte sie 1953 am Platzl - und hatte ihren Durchbruch. Auf Initiative des Münchner Stadtrates zeigt jetzt die Monacensia eine Ausstellung mit dem Titel "Wer was versteht von Gemütlichkeit. Die Vortragskünstlerin Bally Prell".

<P>Theaterfrau und Performerin Cornelie Müller hat diese überfällige Hommage gestaltet. Nicht nur mit Vitrinen voll von Familienfotos, Empfehlungsschreiben, Noten, Fanpost und sogar dem Schönheitsköniginnen-Krönchen, sondern auch mit einer fast komplett authentischen Bally-Prell-Stube lockt die Monacensia. <BR><BR>Chefin Elisabeth Tworek hat von Ballys Freundin und Alleinerbin, der 92-jährigen Hedwig Gösswein, den Nachlass erhalten. Kein Fremdkörper im Archiv, denn dort ruhen diverse Hinterlassenschaften von Volkskünstlern, wie der von Liesl Karlstadt. Auf dieser Basis konnten Müller und die Musikwissenschaftlerin Heike Frey dem gängigen Bally-Prell-Bild von der dicken, lustigen Münchner Wurz`n ein vielschichtiges Porträt entgegenstellen. </P><P>Zusammen bringen sie außerdem "Des is mei Balli, des geb i nimmer her." Bruder Ferdinand Prell in einigen Wochen das Buch mit dem gleichen Titel (die Anlaufzeile des Liedes "Die St. Anna Vorstadt") beim Ebenhauser Dölling und Galitz Verlag heraus. <BR><BR>"Des is mei Balli, des geb i nimmer her", erklärte der Bruder Ferdinand beim Anblick des kugelrunden Babys Agnes Pauline, geboren am 14. September 1922. Den Künstlernamen, aber wohl auch diese Art von Künstlerschaft übernahm die erwachsene Schwester von ihm. "Der kleine Ferdl" - im Gegensatz zum Weiß Ferdl - war in der Volkssängerszene ein Kinderstar, systematisch gefördert und aufgebaut von Vater Ludwig. </P><P>Begehrt nicht nur auf Brettlbühnen, sondern auch bei Firmen- und Vereinsfesten. Der "Vatl", ursprünglich beim bayerischen Militär, war selbst ein populärer, vielseitiger Musikant und ungeheuer produktionsfreudiger Textdichter. Die Noten aber musste die Mama notieren. Nach Bruder Ferdls frühem Tod mit 21 Jahren richtete sich nach dem Krieg Papas Energie auf Bally. Wegen krankhafter Fettleibigkeit entkam sie dem Reichsarbeitsdienst und konnte sich einer soliden musikalischen Ausbildung (Harmonie- und Formenlehre, Kontrapunkt, Klavier) widmen, hatte aber wohl nie eine Gesangsausbildung. <BR><BR>Neben ihrem selbstironischen Spiel, insbesondere mit ihrem Körpervolumen, und einem warmherzigen, nie verlogenen Sentiment (beim "Isarmärchen" schmilzt jeder Münchner dahin) ist es doch gerade ihre satte, volltönende Stimme, die fasziniert. Dieser runde, saftige Sound - eben keine Soubretten-Zuckrigkeit: Da reißt`s einen, wenn er in der Monacensia erklingt. <BR>Und sogar im Gesang ist eine andere Bally zu entdecken: diejenige, die Tenorpartien einstudierte, Kunstlieder der Romantiker interpretierte oder sich an Beatlessongs versuchte; nie auf der Bühne, aber bei den Besucherabenden in ihrer Wohnung Leopoldstraße 77. Dort lebten bereits ihre Eltern, und sie selbst blieb bis zu ihrem Tod am 20. März 1982 in ihrem Refugium. Bally Prell war Profi genug, um diese privaten Vorstellungen mitzuschneiden. Für uns Heutige ein Glück; nur dadurch konnte Trikont mit zwei CDs die "ganze" Bally Prell musikalisch lebendig werden lassen: liebevoll in Klang und Aufmachung. <BR><BR>"Wer was versteht von Gemütlichkeit. Die Vortragskünstlerin Bally Prell". <BR>Bis 14. 3. 2003, Mo.-Mi. 9-17 Uhr, Do. 10-19 Uhr, Fr. 9-15 Uhr, Tel. 089/ 41 94 72-15; Maria-Theresia-Straße 23. Freier Eintritt. "Bally Prell. Aufnahmen 1955-1973". Trikont, München. 2 CDs, 17 Euro. <BR></P>

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